Endlich selbstständig: So gründen Sie ihr eigenes Unternehmen. Im Bild: Junger Geschäftsmann streckt glücklich die Faust in die Luft.

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Gründen

Endlich selbstständig

So gründen Sie Ihr eigenes Unternehmen

Lesedauer:
6 Minuten
Erstellungsdatum: 03.05.2018

Businessplan? Fertig. Finanzierung? Steht. Fehlt nur noch die Gründung mit allem, was dazugehört. Mit dieser Step-by-Step-Anleitung kommen Sie in 6 Schritten zum Ziel.

1. Erlaubnisse und Genehmigungen einholen

Auch wenn in Deutschland Gewerbefreiheit herrscht, dürfen viele Berufe erst dann selbstständig ausgeübt werden, wenn die entsprechende Erlaubnis dazu vorliegt. Die Liste der genehmigungspflichtigen Tätigkeiten ist lang und reicht von der Arzneimittelherstellung über Briefbeförderung, den Betrieb einer Fahrschule oder Gaststätte bis hin zum Personentransport oder Tierhandel. Hinzu kommen Berufe, die eine besondere fachliche Qualifikation wie z. B. den Meisterbrief verlangen. 

In den meisten Fällen bekommen Sie die Genehmigung bei der zuständigen Gewerbeaufsicht. Wer eine Arztpraxis, eine Gaststätte oder ein Lebensmittelgeschäft eröffnen will, braucht zusätzlich eine Genehmigung vom Gesundheitsamt. Und sind bauliche Veränderungen oder Erweiterungen Ihrer Geschäftsräume vorgesehen, kommt noch der Gang zum Bauamt oder zur Bauaufsichtsbehörde auf Sie zu.

All das geht aber auch einfacher. Denn mit der Initiative „Einheitlicher Ansprechpartner“ steht Ihnen in jedem Bundesland und vielen größeren Städten ein Unternehmensservice zur Verfügung, der Ihnen einen Großteil der Arbeit abnimmt und weitere Behördengänge erspart. Das heißt: Sie brauchen nur noch eine Adresse aufzusuchen, von der aus alle nötigen Anträge an die Behörden und Dienststellen weitergeleitet werden – ohne zusätzliche Gebühren.

2. Nicht vergessen: die Krankenversicherung

Auch als Selbstständiger müssen Sie eine Krankenversicherung haben. Allerdings können Sie in der Regel wählen, ob Sie zu einer privaten oder freiwillig zu einer gesetzlichen Krankenversicherung gehen. Der wichtigste Unterschied, abgesehen vom Leistungsumfang: Bei der gesetzlichen Krankenkasse richtet sich die Beitragshöhe nach dem Einkommen, bei der privaten nicht. Dafür können bei der gesetzlichen Krankenkasse Ehepartner und Kinder mitversichert werden, während hierfür bei der privaten Krankenversicherung eigene Verträge mit entsprechenden Zusatzkosten abzuschließen sind.

Ob gesetzlich oder privat: Schließen Sie möglichst immer einen Vertrag mit Anspruch auf Krankengeld ab. So sind Sie bei einem längeren Ausfall gegen finanzielle Einbußen abgesichert. Damit Sie die richtige Kasse für sich finden, sollten Sie zunächst ein Angebot mit Ihren Wunschleistungen von einer privaten Krankenkasse einholen und dieses anschließend mit einem ähnlich leistungsfähigen Angebot der gesetzlichen vergleichen. Achten Sie dabei auch auf die langfristige Beitragsentwicklung, die bei den privaten tendenziell eher steigt als bei den gesetzlichen Kassen.

3. Die richtige Unternehmensform wählen

Bei der Frage nach der richtigen Gesellschaftsform gilt grundsätzlich, dass sie zur Zielsetzung und zum Geldbeutel passen sollte. Gleichzeitig muss jedem Existenzgründer klar sein, dass die Unterschiede zwischen GbR, GmbH, UG oder gar AG enorm sind – auch hinsichtlich der Kosten.

Für gewerbliche Einzelunternehmer bietet sich die Gründung eines Kleingewerbes an oder, bei Teamgründungen, eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR). Ein Eintrag ins Handelsregister ist nicht erforderlich, dafür meist aber eine Pflichtmitgliedschaft in der Handwerks- oder Industrie- und Handelskammer. Außerdem müssen Sie Gewerbesteuer bezahlen. 

Einzelgründer, die eine freiberufliche Tätigkeit ausüben, etwa Journalisten, Ingenieure, Ärzte, Rechtsanwälte oder Notare, sind dagegen von der Gewerbesteuer befreit. Auch die Kammerbeiträge entfallen, weil es für Freiberufler oder Partnergesellschaften, den Zusammenschluss mehrerer Freiberufler, keine Pflichtmitgliedschaft gibt. 

Der entscheidende Vorteil bei den bisher genannten Gesellschaftsformen ist der günstige Einstieg, weil die Gründung kein Start- oder Mindestkapital erfordert. Jeder Freiberufler, Kleingewerbetreibende und jede GbR kann selbst entscheiden, wie viel Kapital zur Gründung eingebracht wird. Darin liegt allerdings auch der entscheidende Nachteil. Denn Sie haften bei Schäden, Insolvenz und Verschuldung uneingeschränkt mit Ihrem Privatvermögen.

Hier bietet eine GmbH, die ein Stammkapital von mindestens 25.000 Euro erfordert, mehr Sicherheit, weil Sie als Gesellschafter nur mit dem Betriebsvermögen haften. Ist Ihnen die Einstiegshürde zu hoch, könnte die kleine Schwester der GmbH interessant für Sie sein, die Unternehmergesellschaft (UG), im Volksmund auch Ein-Euro-GmbH genannt. Das Gründungskapital und damit auch die Haftung beträgt mindestens 1 Euro – mindestens deshalb, weil in der Praxis ein höherer Betrag gewählt werden sollte. Der Grund: UGs sind gesetzlich dazu verpflichtet, mindestens 25 Prozent der jährlichen Überschüsse als Rücklagen bis zur Höhe von 25.000 Euro zu bilden. Werden keine Gewinne erzielt, müssen auch keine Rücklagen gebildet werden. Sind die 25.000 Euro Stammkapital erreicht, endet die Rücklagenvorschrift, und Sie können die UG in eine GmbH umfirmieren. So oder so ist das immer noch ein ganzes Stück von den 50.000 Euro entfernt, die bei der Gründung einer Aktiengesellschaft (AG) gefordert sind, die allerdings auch ihre Vorteile hat. Denn: Eine AG kann schnell Gesellschaftsanteile übertragen und sich später an der Börse leichter neues Kapital beschaffen.

Wichtig für alle Unternehmer, die Mitarbeiter – auch aushilfsweise – beschäftigen: Die Mitgliedschaft in der zuständigen Berufsgenossenschaft ist Pflicht.

4. Wunschname oder Familienname

Die Wahl der Gesellschaftsform hat auch Einfluss auf die Namensgebung. Einen Wunschnamen können Sie nur wählen, wenn die Gründung Ihres Unternehmens mit einem Eintrag ins Handelsregister verbunden ist, etwa bei einer GmbH, UG oder AG. Ganz frei sind Sie bei der Namenswahl trotzdem nicht. Wer den gleichen oder einen ähnlichen Namen wie die Konkurrenz wählt, riskiert eine Unterlassungsklage mit teuren Folgen, wenn bereits alle Geschäftspapiere gedruckt sind und das fertige Logo vorliegt. 

Bei Kleingewerbetreibenden oder einer GbR müssen dagegen in der Regel Geschäftszweck und Vor- und Zuname(n) Teil der Bezeichnung sein, also zum Beispiel „Übersetzungsdienst Werner Hofmann“ oder „Steuerbüro Sperling“. Sind mehrere Partner an Bord, genügt die Angabe von zwei Namen und bei Bedarf der Zusatz „& Co.“ oder „& Partner“. 

Steht der Firmenname fest, sollten Sie sich die passende Domain für Ihren Internetauftritt sichern und den Wunschnamen als Marke beim Deutschen Patent- und Markenamt anmelden, um ihn zu schützen.

5. Die Unternehmensgründung und -anmeldung

Als Freiberufler müssen Sie sich spätestens vier Wochen nach Aufnahme Ihrer Tätigkeit mit einem formlosen Brief beim Finanzamt melden, um einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung anzufordern. Kammerpflichtige freie Berufe − darunter Ärzte, Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater, Architekten oder beratende Ingenieure – müssen sich vorab noch bei ihrer Standeskammer registrieren. Nach der Meldung beim Finanzamt erhalten Sie von dort Ihre Steuernummer. Den beiliegenden Fragebogen füllen Sie aus und schicken ihn an die Behörde zurück. Abgesehen von wenigen Stunden Zeitaufwand für die Anmeldung und 15 bis 65 Euro Bearbeitungsgebühr war’s das in der Regel auch schon. 

Etwas aufwendiger ist die Gründung eines Kleingewerbes, einer GbR oder GmbH. Die Anmeldung erfolgt beim Gewerbeamt. Das geht häufig auch online. Danach melden Sie sich schriftlich beim Finanzamt und beantragen den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Außerdem müssen die GmbH und die UG noch in das Handelsregister eingetragen werden. Hiermit sollten Sie einen Notar beauftragen. Er sollte sich auch um den Gesellschaftsvertrag kümmern, der bei jeder Unternehmergesellschaft erforderlich ist. Dann bleibt noch die Mitgliedschaft bei der zuständigen Kammer. Und wenn Sie Mitarbeiter beschäftigen, stehen zusätzlich noch die Berufsgenossenschaft, die Bundesagentur für Arbeit und die Krankenkasse auf Ihrem Laufzettel. Insgesamt sollten Sie hier mindestens drei Wochen und 1.000 Euro aufwärts für die Gründung einplanen.

Grundsätzlich gilt für alle Gründer: Melden Sie sich möglichst früh beim Finanzamt. Denn erst mit einer gültigen Steuernummer können Sie Rechnungen für Produkte und Dienstleistungen ausstellen.

6. Ein Giro- oder Geschäftskonto eröffnen

Sobald Ihr Unternehmen gegründet ist, sollten Sie an die Eröffnung eines Firmenkontos denken. Als Freiberufler oder Einzelunternehmer sollten Sie ein kostengünstiges oder gar kostenloses Girokonto und zusätzlich ein Geschäftskonto eröffnen, um private und geschäftliche Finanzen zu trennen. So haben Sie jederzeit einen klaren Blick auf alle Einnahmen und Ausgaben. Außerdem sparen Sie mit einem separaten Geschäftskonto viel Zeit bei der Steuererklärung, weil Sie jedem Beleg einfach und schnell einen Kontovorgang zuordnen können.

Auch Personen- und Kapitalgesellschaften sollten immer ein Geschäftskonto eröffnen, weil es das Risiko einer so genannten Durchgriffshaftung wegen Vermögensvermischung aus der Welt schafft, bei der Gesellschafter im Falle einer Insolvenz auch mit ihrem Privatvermögen haftbar gemacht werden können.

Ob eine Filialbank oder eine Direktbank die bessere Wahl ist, hängt von Ihrem persönlichen Bedarf ab. Wer häufig Bargeld einzahlen muss und Wert auf persönliche Beratung legt, fährt besser mit einer Filialbank. Zudem ergeben sich gerade am Anfang einer Geschäftstätigkeit mitunter viele Fragen rund um Ihre Finanzen, bei denen ein direkter Ansprechpartner hilfreich ist. Haben Sie das für Sie beste Angebot gefunden, sollten Sie mit der Bank Ihrer Wahl besprechen, welches Konto am besten zu Ihnen passt. Fragen Sie dabei auch, ob im Angebot ein Unterkonto enthalten ist, auf dem Sie zum Beispiel Rücklagen für die Einkommensteuer bilden können. 

Grundsätzlich gilt bei jedem der sechs beschriebenen Schritte, dass sie nur eine erste Hilfestellung sind. Denn je nach Branche, Tätigkeit, Produkt und Unternehmensform können weitere Details wichtig sein. Deshalb ist es in jedem Fall ratsam, sich durch seine Hausbank sowie einen Steuerexperten oder Rechtsanwalt beraten zu lassen. Während Sie vielleicht nur ein oder zwei Unternehmen in Ihrem Leben gründen, beschäftigen sich die Profis jeden Tag damit. Zudem kann ein erfahrener Berater oft schon in der Gründungsphase abschätzen, in welche Richtung sich das Unternehmen innerhalb von wenigen Jahren entwickelt, und gleich von Beginn an dabei helfen, die Weichen richtig zu stellen.

Unternehmensform Einzelunternehmer (Freiberufler, Nichtkaufleute, Kleingewerbe)
Unternehmensform GbR (Gesellschaft des bürgerlichen Rechts)
Unternehmensform OHG (Offene Handelsgesellschaft)
Unternehmensform KG (Kommanditgesellschaft)
Unternehmensform GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung)
Unternehmensform UG (haftungsbeschränkt)
Unternehmensform AG (Aktiengesellschaft)
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