Neues Jahr, neues Glück! Selbstständig machen – ja oder nein?

Bildquelle: Robert Kneschke / shutterstock.com

Gründen

Neues Jahr, neues Glück!

Selbstständig machen – ja oder nein?

Lesedauer:
2 Minuten
Erstellungsdatum: 28.11.2018

Studenten tun es, Manager und viele andere auch: Sie wagen den Schritt in die Selbstständigkeit und verwirklichen sich einen Lebenstraum. Denken Sie daran auch häufiger? Dann nutzen Sie doch die Zeit zwischen den Jahren, um das Für und Wider abzuwägen. Hier einige wichtige Aspekte als Gedankenanstoß. 

Wer gerade einen Karriereknick erlebt, den Spaß am Job verloren und eine gute Idee für die erfolgreiche Gründung eines eigenen Unternehmens entwickelt hat, kommt schnell ins Träumen – vom Erfolg als Unternehmer, Gewerbetreibender oder Freiberufler, vom selbstbestimmten Arbeiten und vom großen Glück, sich endlich für seine eigenen Ideen und Ziele ins Zeug legen zu können. Den entscheidenden Schritt machen aber nur die wenigsten.  

Warum das so ist, verrät Hobbit Bilbo Beutlin im Film Der Herr der Ringe: „Es ist eine gefährliche Sache, aus deiner Tür hinauszugehen. Du betrittst die Straße, und wenn du nicht auf deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie dich tragen.“ Schließlich verlassen auch Gründer ihre Komfortzone und machen sich auf den Weg, obwohl sie nie sicher sein können, ihr Ziel zu erreichen. Also: Wenn Sie jetzt am Schreibtisch in Ihrem Büro sitzen, müde vom Job aus dem Fenster schauen und wieder einmal damit liebäugeln, Unternehmer zu werden, dann sollten Sie diesen Gedanken wenigstens einmal zu Ende denken, damit der Zug ins Abenteuerland Selbstständigkeit nicht immer wieder ohne Sie abfährt. Was würde eine Existenzgründung für Sie und Ihr Leben wirklich bedeuten? Was würden Sie gewinnen, was verlieren?

Sammeln Sie Pros und Kontras 

Wichtig bei der Entscheidungsfindung ist, dass Sie nicht nur auf Ihr Bauchgefühl hören.  Keine Frage: Spontaneität, Leidenschaft und Risikofreude sind gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Unternehmensgründung, aber noch lange kein Grund, sich kopflos ins Abenteuer zu stürzen.   

Machen Sie sich deshalb zunächst einmal klar, was die Gründung oder Übernahme eines Unternehmens nicht nur finanziell für Sie bedeuten würde. Stellen Sie dazu eine Liste mit allen Vor- und Nachteilen Ihrer gedachten Selbstständigkeit zusammen, zum Beispiel eine Liste wie diese: 

Meine Selbstständigkeit: Pro und Kontra

Welche wichtigen Punkte Sie in die Liste eintragen, hängt natürlich ganz von Ihnen und Ihren Lebensumständen ab. Achten Sie darauf, nichts zu beschönigen und unter Kontra alle Argumente einzutragen, die Ihnen einfallen. Schließlich soll Ihnen ja klar werden, was alles auf Sie zukommen kann. Sollten sich am Ende unter Kontra mehr Einträge als unter Pro finden, keine Sorge: Entscheidend ist nicht die Anzahl der Argumente, sondern deren Gewicht und Tragweite. 

Stellen Sie sich Ihren Zweifeln und Ängsten 

Ob mit oder ohne fertigen Businessplan – lassen Sie sich nicht von Ihrer Geschäftsidee blenden. Denn ganz egal wie gut und überzeugend sie auch sein mag: Sie werden als Existenzgründer immer mit wirtschaftlichen Unwägbarkeiten zu kämpfen haben, besonders am Anfang. Nicht jeder kann diese Unsicherheit einfach wegstecken. Gehören Sie zu den Menschen, die sich schon bald schlaflos im Bett wälzen, wenn nicht mehr jeden Monat automatisch Geld aufs Konto kommt, wird Ihnen der Spaß an Ihrer Existenzgründung schnell vergehen.  

Auch wenn eine gewisse Risikofreude zum Gründen gehört, sind Zweifel und Ängste schon allein aus Selbstschutz sinnvoll und angebracht. Lassen Sie sich davon aber nicht unterkriegen. Stellen Sie sich stattdessen möglichst konkret vor, was wäre, wenn Sie Schiffbruch erleiden. Was würde das im schlimmsten Fall für Sie und möglicherweise auch für Ihre Familie bedeuten? Fragen Sie sich anschließend, welche Lösungsmöglichkeiten Ihnen offenstehen. Könnten Sie zur Not in Ihren alten Job zurückkehren oder bei einem anderen Arbeitgeber schnell wieder Fuß fassen? Oft zeigt sich bei diesem Vorgehen, dass nicht gleich die Welt untergeht, wenn die Selbstständigkeit in eine Sackgasse führt. 

Sie brauchen viele Talente 

Wer erfolgreich seine eigene Firma aufbauen will, muss eine gute Expertise mitbringen. In einigen Fällen ist sie auch nachzuweisen, zum Beispiel, wenn Sie einen Existenzgründerzuschuss beim Bundesamt für Arbeit beantragen oder sich in einem zulassungsbeschränkten Beruf selbstständig machen wollen, etwa als Arzt, Rechtsanwalt oder Handwerker sowie im Sicherheits- oder Transportwesen. 

Mit einer guten Geschäftsidee und Ihrem Fachwissen allein werden Sie als Existenzgründer nicht sehr weit kommen. Zusätzlich müssen Sie sich Know-how im betriebswirtschaftlichen und kaufmännischen Bereich aneignen. Computer- und IT-Kenntnisse können ebenfalls nicht schaden und einige Soft Skills, die erfolgsentscheidend im Umgang mit Kunden, Mitarbeitern und Geschäftspartnern sind: Dazu gehören zum Beispiel Kommunikations-, Kompromiss- und Durchsetzungsfähigkeit, Verhandlungsgeschick, Agilität, Hartnäckigkeit und die Fähigkeit, Misserfolge wegzustecken. Ein dickes Fell brauchen Sie in der Selbstständigkeit ohnehin. Denn für die unangenehmen Seiten des Jobs sind Sie ebenfalls zuständig. Sie finden, das ist ein bisschen viel auf einmal? Dann sollten Sie eventuell nicht allein, sondern zusammen mit einem Partner gründen, der Ihre positiven Eigenschaften mit seinen ergänzt – und das unternehmerische Risiko halbiert.

Unterschätzen Sie nicht den Finanzbedarf 

Viele Gründer unterschätzen die Kosten einer Selbstständigkeit und scheitern vor allem in den ersten drei Jahren, weil ihnen das Geld ausgeht. Immerhin müssen sie nicht nur für ihr Unternehmen und ihre Lebenshaltungskosten aufkommen, sondern auch eigenständig ihre Sozialversicherungen und Altersvorsorge bezahlen, weil der Arbeitgeberanteil entfällt.   

Wenn Sie kein gut gefülltes Sparkonto haben, mit dem sich die Anlaufzeit von mehreren Monaten oder Jahren gelassen überstehen lässt, brauchen Sie ausreichend Startkapital von einer Bank oder von Investoren. Planen Sie hier nicht zu optimistisch: Überschlagen Sie Ihr Eigenkapital sowie die einmaligen und monatlichen Kosten für Ihr Business (Investitionen, Miete, Nebenkosten etc.) und für Ihren Lebensunterhalt. Überlegen Sie anschließend, wie viele Monate es dauern dürfte, bis Sie diesen Betrag als Selbstständiger erwirtschaften können. So können Sie Ihren ungefähren Kapitalbedarf ermitteln. Fällt er letztlich kleiner aus als ursprünglich gedacht, weil Sie bereits vorher Umsätze erwirtschaften, haben Sie einen Sicherheitspuffer für ungeplante Durstrecken oder weitere Anschaffungen. 

Sie sind Ihr eigener Marketing- und Vertriebschef 

So gut Ihre Geschäftsidee auch sein mag: Sie verbreitet sich nicht von allein. Und gerade am Anfang gibt es niemanden, der Ihnen diese wichtige Arbeit abnimmt. Als Ihr eigener Marketing- und Vertriebschef müssen Sie Kunden, Geschäftspartner und Mitarbeiter bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit Ihrer Begeisterung anstecken. Das bedeutet: Als Gründer sollten Sie kommunikativ sein und Spaß daran haben, Veranstaltungen zu besuchen oder sich selbst dort zu präsentieren. Zu Ihren weiteren Aufgaben gehört der Aufbau eines möglichst großen Netzwerks mit Multiplikatoren und potenziellen Kunden. Zudem sollten Sie zumindest mit den Grundzügen des Onlinemarketings vertraut sein. Dann können Sie Ihrem Unternehmen zu einer guten Sichtbarkeit im Internet verhelfen.

Ihr Partner muss hinter Ihnen stehen 

Der Schritt in die Selbstständigkeit wird Ihr Leben verändern. Wenn Sie liiert sind, ist damit zwangsläufig auch das Leben Ihrer Partnerin oder Ihres Partners betroffen. Müssen Sie sich regelmäßig für Überstunden und Wochenendarbeit rechtfertigen, wird die Selbstständigkeit doppelt schwer. Zudem brauchen Sie Rückhalt, wenn die Einnahmen schwanken, und jemanden, der Sie wieder aufbaut, wenn ein Misserfolg zu verkraften ist.

Wie wäre es mit einem Probelauf im Nebenberuf? 

Sind Sie immer noch unschlüssig oder vom Risiko abgeschreckt, kommt möglicherweise dieser Weg für Sie infrage: eine Gründung im Nebenberuf. Spielt Ihr Arbeitgeber mit, können Sie auf diese Weise einen kleinen Probelauf starten und erste Erfahrungen als Selbstständiger sammeln.  

Gelingt Ihnen damit der Aufbau eines kleinen, soliden Kundenstamms, fällt Ihnen der spätere Sprung in die hauptberufliche Selbstständigkeit umso leichter. Denn spätestens nach ein paar Monaten oder dem ersten Geschäftsjahr Ihrer nebenberuflichen Gründertätigkeit können Sie die Risiken und Ihren Finanzbedarf wesentlich besser einschätzen. Zu bedenken ist allerdings die doppelte berufliche und zeitliche Belastung, die viel Energie und ein gutes Zeitmanagement erfordert, damit Sie sich nicht übernehmen. 

Fazit: Abwägen, entscheiden – und handeln 

Frust ist kein guter Ratgeber, wenn es um die Entscheidung geht, ob man sich selbstständig machen soll oder nicht. Denn in diesem Fall sind es vor allem die typischen Vorteile, die einem in den Sinn kommen: sein eigener Chef sein, mehr Selbstbestimmung, die Verwirklichung eines Lebenstraums, vielleicht sogar Wohlstand und der Beginn einer zweiten, großen Karriere. Was dabei gerne vergessen wird, sind die Risiken, die vielen Stunden harter Arbeit und die Rückschläge, die zu verkraften sind. Umso wichtiger ist es, genau abzuwägen. Schlägt das Pendel für Sie anschließend klar in Richtung Selbstständigkeit aus, liegt es an Ihnen, das Abenteuer Gründen zu wagen und den ersten kleinen Schritt zu machen, mit dem jede großen Reise beginnt. 

  
    
         
  
  
       

zur
Startseite