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Biete Existenzgründung – alte Firma sucht neuen Chef. 9 Tipps für die erfolgreiche Unternehmensnachfolge

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Biete Existenzgründung – alte Firma sucht neuen Chef

9 Tipps für die erfolgreiche Unternehmensnachfolge

Lesedauer: 5 Minuten | Erstellungsdatum: 02.05.2018

Schon in wenigen Jahren verabschiedet sich die Generation Babyboomer in den Ruhestand – darunter fast 200.000 Inhaber, die einen Nachfolger für sich in ihrem Unternehmen suchen. Mit diesen 9 Tipps stellen Sie die richtigen Weichen für die erfolgreiche Unternehmensnachfolge.

1. Schieben Sie das Thema nicht auf die lange Bank

Nachfolgelösungen brauchen Zeit. Trotzdem hatten im letzten Jahr laut einer Studie der Förderbank KfW mehr als ein Drittel aller Unternehmer, die innerhalb von drei Jahren abgeben wollen, immer noch keine konkreten Umsetzungspläne. Ein großer Fehler, meint Jens Sossong, Senior Spezialist Financial Engineering und Experte für Unternehmensnachfolge der Commerzbank in Hamburg. „Die erfolgreiche Übergabe braucht eine Vorbereitungszeit von mindestens zwei bis fünf Jahren“, sagt der erfahrene Kundenberater. Firmenchefs sollten sich deshalb spätestens ab Mitte 50 ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen, empfiehlt Sossong.


Die erfolgreiche Übergabe
braucht eine Vorbereitungszeit
von mindestens zwei bis fünf Jahre


Jens Sossong, Direktor, Senior Spezialist Financial Engineering, Commerzbank AG

2. Räumen Sie Stolpersteine aus dem Weg

Fast immer ist dieser Schritt mit großen Emotionen verbunden. Schließlich wird nicht nur eine Firma übergeben, sondern ein Lebenswerk, von dem auch die Zukunft der Mitarbeiter abhängt. Sorgen Sie deshalb zunächst einmal für Übersicht und erstellen Sie einen Zeitplan mit den wichtigsten Aufgaben. Machen Sie eine Bestandsaufnahme der unternehmerischen und Ihrer persönlichen Finanzlage. So können Sie unter anderem einschätzen, wie hoch Ihr Finanzbedarf im Ruhestand ist und welchen Anteil der Unternehmensverkauf dazu beisteuern kann. Klären Sie auch, ob Dritte Ansprüche erheben können und woher Sie die dazu erforderlichen Mittel nehmen. Welche Steuerlast fällt bei dem Unternehmensverkauf an und wie soll diese bedient werden? Welche Regelungen sind grundsätzlich in Ihrem Gesellschaftsvertrag getroffen? Und wie sieht es mit dem Testament aus? Denken Sie daran: Ein nicht geregeltes Erbe kann im schlimmsten Fall zur Zerschlagung Ihres Unternehmens führen.

3. Erstellen Sie ein Anforderungsprofil des Nachfolgers

Die nächste entscheidende Frage lautet: Wer und wie soll der Nachfolger sein? Sprechen Sie möglichst früh mit den Angehörigen, wenn Sie das Unternehmen innerhalb der Familie weitergeben wollen.

Findet sich hier kein Nachfolger, weil die Kinder abwinken oder das nötige Know-how fehlt, sollten Sie vor der Suche nach einem externen Wunschkandidaten zunächst einmal festlegen, welche Anforderungen er erfüllen muss. Dazu zählen Fachwissen, kaufmännisches Geschick sowie Erfahrung in der Unternehmensführung. Ebenso wichtig sind die persönlichen Eigenschaften: Tickt er ähnlich wie Sie? Hat er das Zeug dazu, die Firma voranzubringen? Führen Sie mit jedem Kandidaten mindestens zwei Gespräche, um sie oder ihn genau kennenzulernen. Vielleicht bietet sich auch ein Mitarbeiter an, der sich gezielt auf die Übernahme vorbereiten lässt.

4. Machen Sie Ihr Unternehmen zukunftsfähig

Je besser Ihr Unternehmen aufgestellt ist, desto eher finden Sie einen Nachfolger. Stellen Sie Ihren Betrieb daher auf den Prüfstand und machen Sie eine Strategieanalyse: Wo liegen die Stärken und Schwächen? Beziehen Sie alle Bereiche ein: Finanzen, Mitarbeiter, Führung, Abläufe, betriebliche Ausstattung, Produktportfolio, Rentabilität, Märkte und Zulieferer. Halten Sie die Ergebnisse schriftlich fest und entwickeln Sie Maßnahmen, mit denen sich vorhandene Schwächen beseitigen lassen.

5. Bestimmen Sie den Unternehmenswert

Der Kaufpreis ist einer der größten Stolpersteine. Während Sie Ihr Geschäft über Jahre mit viel Herzblut aufgebaut haben und damit auch ideelle Werte verbinden, muss der Kaufpreis für den Übernehmer realistisch sein. Nur wenn der Preis für beide Seiten akzeptabel ist, gelingt die Transaktion. Eine intensive Due Diligence, also die tief greifende Analyse aller steuerlichen, finanziellen, wirtschaftlichen und rechtlichen Aspekte durch externe Berater, wie sie bei der Bewertung großer Unternehmen durchgeführt wird, ist dabei nach Ansicht von Jens Sossong für kleinere Betriebe nicht unbedingt nötig. „Es gibt verschiedene Methoden, um den Wert eines Unternehmens zu ermitteln. Etwa das gängige Ertragswertverfahren, bei dem sich der Wert an den Gewinnen bemisst, die das Unternehmen nachhaltig erwirtschaften kann“, erklärt Sossong und rät: „Unternehmer sollten sich dazu am besten bei ihrem Steuerberater oder einem Unternehmensberater informieren oder in den einschlägigen Publikationen z. B. des Bundeswirtschaftsministeriums nachschauen.“

6. Regeln Sie die Übergabe

Ob in der Familie oder an einen externen Nachfolger – die Bedingungen der Übergabe müssen vertraglich genau geregelt sein. Dazu gehören z. B. die Form der Übergabe, etwa durch die Übernahme von Geschäftsanteilen oder der genaue Übergabezeitpunkt. „Gerade hier sind klare Absprachen wichtig“, sagt Experte Sossong. „Nichts ist schlimmer als ein Senior, der nicht loslassen kann und sich in die Geschäfte des Juniors einmischt.“ Dabei ist es durchaus sinnvoll, eine Übergabephase zu vereinbaren, in der der Seniorchef seinen Nachfolger unterstützen und einarbeiten kann, beispielsweise im Rahmen eines befristeten Beratervertrags. Klären Sie dabei auch alle Fragen rund um die Unterschriftenbefugnis und Vollmachten.


Nichts ist schlimmer als ein
Senior, der nicht loslassen kann
und sich in die Geschäfte des
Juniors einmischt.


Jens Sossong, Direktor, Senior Spezialist Financial Engineering, Commerzbank AG

7. Entscheiden Sie, wie der Kaufpreis gezahlt werden soll

Beim Verkauf des Unternehmens stehen üblicherweise drei grundsätzliche Zahlungsvarianten zur Auswahl: die Einmalzahlung in Höhe des Kaufpreises sowie Raten- oder Rentenzahlungen. Mischformen, je nach individuellen Wünschen, sind dabei häufig zu beobachten. Das geringste Risiko haben Sie als Verkäufer, wenn Sie den Betrag sofort in voller Höhe per Überweisung oder Scheck bekommen. Käufer ziehen in der Regel allerdings die Zahlung in Raten vor, weil sie damit einen größeren finanziellen Spielraum behalten. Trotz des höheren Risikos kann auch diese Variante für Sie als Verkäufer interessant sein.

Bleibt noch die Rentenzahlung, die besonders häufig bei familieninternen Übergaben zum Zuge kommt. Sie wird in Form einer monatlichen Leibrente bis zum Tod des Verkäufers gezahlt. Hier ist vor allem Vertrauen gefragt, weil Sie mit der Wahl einer Rentenzahlung Ihre Altersvorsorge komplett in die Hände des Käufers legen. Kommt es zu einer Insolvenz, fallen die Zahlungen im schlimmsten Fall komplett aus. Auf der anderen Seite geht der Käufer ein Betriebsrisiko ein. Denn er ist zu den Zahlungen auch dann verpflichtet, wenn seine Gewinne einbrechen.

8. Holen Sie sich Hilfe von Experten

Damit die Unternehmensübergabe möglichst reibungslos über die Bühne gehen kann, sollten professionelle Berater den Prozess frühzeitig begleiten. So bieten spezialisierte Anwaltskanzleien und Notare Hilfe bei allen juristischen Fragen zur Betriebsnachfolge an – von der Gestaltung der Übergabeverträge über die Konzeption von Familiengesellschaften bis zum Entwurf von Testamenten und Verzichtserklärungen auf den Pflichtteil. Finanz- und Steuerberater kämpfen sich für Sie durch das Dickicht der aktuellen Gesetzgebung und helfen Ihnen, die Abgabenlast nach dem Unternehmensverkauf zu mindern. Unternehmensberater mit entsprechendem Netzwerk wickeln auf Wunsch sogar den Verkauf des Unternehmens ab und können dabei auch auf Mediationsexperten zurückgreifen. „Es braucht verschiedene Experten, um alle Fallstricke, etwa im Gesellschafts- oder Steuerrecht, rechtzeitig zu erkennen“, so Jens Sossong. „Das kostet zwar mehr Geld, dafür bleibt man vor bösen Überraschungen verschont.“

 Expertentipp:


Auch Banken bieten bei der Nachfolgeregelung einen umfassenden Service. Als zentraler Ansprechpartner bringen sie Steuerberater, Rechtsanwälte, Notare oder Unternehmensberater an einen Tisch und koordinieren die Experten über den gesamten Zeitraum. Auf Wunsch kann die Bank auf eigene Expertennetzwerke zurückgreifen und bei der Suche nach geeigneten Beratern helfen.
Zwar nehmen Banken als Kreditgeber grundsätzlich keine Unternehmensbewertungen vor, allerdings können sie vorliegende Bewertungen überprüfen und plausibilisieren. Darüber hinaus bringen sie ihr Know-how bei allen Fragen rund um die Finanzierung ein. Mit einem umfassenden Vermögensmanagement können sie den abgebenden Firmenchef zudem bei der Anlage des Verkaufserlöses und der Sicherung seiner Altersvorsorge unterstützen.

Jens Sossong
Direktor, Senior Spezialist Financial Engineering, Commerzbank AG


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