Joomla SEF URLs by Artio

HOME > TRENDS > „Lose Kontakte bringen nichts“

TRENDS

„Lose Kontakte bringen nichts“

Stocard-CEO Björn Goß über strategisches Netzwerken

Lesedauer: 3 Minuten | Erstellungsdatum: 30.10.2018

Mit einem guten Netzwerk geht vieles schneller. Es öffnet neue Türen, bietet Unterstützung und kann gerade in den Anfangsjahren einer Gründung entscheidende Impulse geben. Doch erfolgreiches Networking erfordert planvolles Vorgehen. Worauf es dabei ankommt, verrät Björn Goß, Mitgründer und CEO des App-Anbieters Stocard in Mannheim.

Wer viele Kundenkarten und ein Smartphone hat, dürfte auch den Namen Stocard kennen. Mit der gleichnamigen, kostenlosen App des Mannheimer Unternehmens lassen sich Kundenkarten aus Plastik ganz einfach auf das Handy übertragen, das dadurch zum digitalen Geldbeutel wird. An der Kasse müssen Nutzer anschließend nur noch die Stocard-App zeigen, um mit ihrer digitalen Kundenkarte Treuepunkte und individuelle Rabatte zu bekommen. 2011 gegründet, hat Stocard heute Niederlassungen in Amsterdam, Paris, Rom, Sydney und Toronto und mehr als 30 Millionen Nutzer in über 40 Ländern.

Herr Goß, Gründer nehmen sich in der Anfangszeit fast nie Zeit für intensives Netzwerken. Halten Sie das für einen Fehler?

Nein, meiner Meinung nach ist das in den meisten Fällen sogar ein Vorteil. Auch wir waren anfangs vor allem mit der Frage beschäftigt, wie wir ein Produkt bauen können, das Wert stiftet und das die Nutzer tatsächlich wollen. Dafür brauchten wir kein Netzwerk. Das kam später, als andere Dinge, wie Vertrieb oder Vermarktung, in den Fokus rückten und wir plötzlich merkten, dass mit einem funktionierenden Netzwerk vieles einfacher geht. 

Als wir dann mehr Zeit in das Networking investierten, konnten wir bereits ein funktionierendes Produkt und die ersten Geschäfte damit vorweisen. Dadurch waren wir für andere interessant, und das hat uns schnell viele Türen geöffnet. Hätten wir zu früh mit dem Networking begonnen, hätten wir zwar viele Visitenkarten gehabt – diese wären am Ende aber kaum mehr als unverbindliche Kontakte.

Also machen viele Kontakte noch lange kein gutes Netzwerk?

Genau. Ein berufliches Netzwerk ist Mittel zum Zweck. Es soll dabei helfen, Ziele schneller zu erreichen oder neue Dinge zu realisieren. Da bringt es nichts, einfach nur Leute zu kennen. Dazu brauchst du ein Netzwerk mit guten Kontakten, die eng und zielgerichtet aktivierbar und belastbar sind. Solche Qualitäten entstehen nur, wenn du strategisch vorgehst. 

Wer ein Event nach dem anderen abklappert und wahllos Kontakte knüpft, steigert nicht den Wert seines Unternehmens. Um am größten Hebel zu arbeiten, musst du Leute kontaktieren, die dich in deinem Job weiterbringen. Du musst also sehr genau überlegen, was für ein Ziel du verfolgst, wer dich dabei unterstützen kann und wie du dich mit ihm oder ihr vernetzen kannst.

Welche Plattformen oder Formate eignen sich dafür, und worauf sollten Neulinge im professionellen Networking besonders achten?

Digitale Kontakte lassen sich schnell aufbauen, sind aber oft nicht so belastbar wie persönlichere Beziehungen. Deshalb lautet mein Tipp, gerade am Anfang persönliche Kontakte nicht zu unterschätzen. Ein unkomplizierter erster Schritt neben der Vernetzung mit Kollegen und Freunden sind hier Plattformen wie Meetup.com oder Facebook-Events mit Roundtables zu interessanten Branchen in der Region. Sollte es kein passendes Angebot geben, kann man darüber einfach selbst einen Roundtable oder ein Meet-up gründen. Überregionale Aktivitäten verursachen in der Regel wesentlich mehr Aufwand. Hier ist deshalb Effizienz das entscheidende Stichwort.

Wie gehe ich effizient vor?

Ich habe immer dann gute Erfahrungen gemacht, wenn ich meine beruflichen Netzwerkaktivitäten zielgerichtet vorbereitet hatte. Beispielsweise suche ich Events danach aus, ob dort Entscheider sind, mit denen ich sprechen sollte. Dann suche ich in sozialen Netzwerken wie Xing oder LinkedIn nach Informationen über diese Menschen und nehme Kontakt auf – entweder direkt oder indem ich zunächst einen Post der Person kommentiere. Dadurch kennt sie bereits meinen Namen, wenn ich kurz darauf versuche, einen Termin auf dem anstehenden Event zu verabreden. 

Auch die Nachbereitung ist wichtig. Ich melde mich nach dem Event immer zeitnah mit einem Review oder Follow-up, um den Kontakt zu vertiefen und Anschlussaktionen anzustoßen. Wenn ich zum Beispiel im persönlichen Gespräch erfahren habe, welche weiteren Entscheider im Unternehmen mir weiterhelfen können. Wenn ich meinem neuen Kontakt vom Event dann eine Zusammenfassung unseres Gesprächs oder passende Unterlagen und Informationen schicke, bitte ich ihn, diese auch an die weiteren entscheidungsfähigen Kollegen weiterzuleiten. Eine inhaltliche Vertiefung des Gesprächs ist wichtig, weil nur so ein guter Kontakt und ein nachhaltiges Netzwerk entstehen.

Also Klasse statt Masse?

Absolut! Im Zweifelsfall besuche ich nur solche Events, auf denen ich für mich wichtige Entscheider treffen kann. Und ich sammle nicht unbedingt viele, dafür aber gute Kontakte, die eine hohe Qualität aufweisen und aktivierbar sind. Wichtig ist auch die nachträgliche Evaluierung meiner Aktivitäten im Networking. Nur so weiß ich, ob ich auf den richtigen Events und Plattformen unterwegs bin und wo ich mich verbessern kann.

Was sind typische Fehler beim Netzwerken?

Ich denke, dass viele Leute die Sache zu schnell angehen. Der Aufbau eines belastbaren, guten Netzwerks braucht Zeit. Dazu gehört für mich auch, authentisch zu sein, also kein Interesse vorzutäuschen, das man gar nicht hat. Du bist einfach kein hilfreicher Kontakt, wenn du aus reiner Freundlichkeit Bereitschaft zu einer Zusammenarbeit andeutest, dann aber sofort zurückruderst, wenn es ernst wird. Ich bekomme beispielsweise immer wieder Anfragen zum Thema Kryptotechnologie. Daran haben wir aber kein Interesse. Das sage ich dann auch klipp und klar. 

Ansonsten sollte man sein Licht nicht unter den Scheffel stellen und aktiv auf interessante Personen und Entscheider zugehen. Im schlimmsten Fall kommt der Kontakt nicht zustande. Aber die meisten Menschen sind freundlich und hilfsbereit, wenn man sie anspricht. Es gibt immer eine gute Chance, dass es funktioniert. 

Wie geht es weiter, wenn das Netzwerk erst einmal steht? Welche Rolle sollte man als Gründer in seinem Netzwerk spielen bzw. welche Aktivitäten sind aus Ihrer Sicht sinnvoll und wichtig?

Größere Aktivitäten sind gar nicht erforderlich. Das würde ich eher im Bereich Community Building oder Personal Brand Building sehen. Es reicht, wenn du nützlich bist. In einem Netzwerk können Einzelne mit wenig Aufwand einen großen Mehrwert für andere schaffen. Man selbst kann also auch mit kleinen Aufmerksamkeiten Wert stiften. 

Die Gründung von Stocard liegt über sieben Jahre zurück. Welche Rolle spielt Networking heute für Sie und Ihr Unternehmen?

Networking ist nach wie vor wichtig, weil es bei uns ständig strategische Erweiterungen oder Ergänzungen gibt. Handel ist unser Kerngebiet, jetzt kommen Finanzen dazu, demnächst vielleicht weitere Geschäftsfelder. Unser Vorteil ist unser Geschäftserfolg. Dadurch sind wir ein sehr interessanter Partner für viele Unternehmen, die aktiv auf uns zugehen. So wird es für uns natürlich immer leichter, die richtigen Kontakte zu knüpfen. Wir merken auch, wie sich unser Netzwerk verdichtet. Es erleichtert den Zugang, wenn mich die Leute selber kennen oder jemand schon mal Positives über mich gesprochen hat. Das ist auch ein Ergebnis der Qualität unseres Netzwerks.

Herr Goß, vielen Dank für das Gespräch.


Praxisleitfaden „Onlinemarketing mit Tipps zum Datenschutz“

Schritt für Schritt führt dieser Praxisleitfaden Einsteiger durch Strategien, Ziele und die wichtigsten Basics für einen wirkungsvollen Onlineauftritt. Mit kompakten Hinweisen, welche Vorschriften der DSGVO bei den genannten Maßnahmen zu beachten sind. 

Dieses Angebot ist kostenfrei, wenn Sie der werblichen Nutzung Ihrer E-Mail Adresse zustimmen.


Ähnliche Artikel

WACHSEN
Maschinen bewerten, der Mensch entscheidet

Wie Unternehmen ihr Kreditrating beeinflussen können

MANAGEN
Richtig mahnen

So holen Sie sich ihr Geld von säumigen Kunden

WACHSEN
Klein anfangen, groß rauskommen

Onlinemarketing: So finden Sie die richtigen KPIs für die Erfolgsmessung. Mit Premium Content.

GRÜNDEN
Business mit Weitsicht

Gesellschaftsverträge für Gründer


Meistgelesene Artikel

MANAGEN
Richtig mahnen

So holen Sie sich ihr Geld von säumigen Kunden

WACHSEN
Lieber auffallen als unsichtbar sein

Onlinemarketing für Einsteiger. Interview mit Dr. André Vieregge, SYZYGY

WACHSEN
Klein anfangen, groß rauskommen

Onlinemarketing: So finden Sie die richtigen KPIs für die Erfolgsmessung. Mit Premium Content.

MANAGEN
Runter mit den Betriebskosten