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MANAGEN

Nachfolge per Management-Buy-out

So übergeben Sie Firmenteile an Ihre Führungskräfte

Lesedauer: 3 Minuten | Erstellungsdatum: 11.07.2018

Sie möchten Ihr Unternehmen in kompetente Hände abgeben, finden aber innerhalb der Familie keinen geeigneten Nachfolger? Dann sollten Sie über ein Management-Buy-out nachdenken – und den eigenen Führungskräften im Unternehmen die Übernahme schmackhaft machen.

Beim sogenannten Management-Buy-out (MBO) übernehmen unternehmenseigene Manager oder Führungskräfte Firmenanteile von den bisherigen Inhabern. Im Vergleich zum klassischen Unternehmensverkauf bietet das MBO zahlreiche Vorteile – und zwar für Käufer und Verkäufer. So ist die Übernahme eines etablierten Unternehmens wesentlich risikoärmer als der Aufbau einer völlig neuen Firma. Zudem kennen interne Interessenten für die Unternehmensübernahme die Organisation und die Philosophie des Unternehmens und behalten diese in vielen Fällen bei. Dadurch droht für Mitarbeiter und Kunden kein Kulturschock, das Lebenswerk des Verkäufers wird erhalten.

Ein weiterer Vorteil: Die Übergabe kann schrittweise erfolgen, indem der Eigentümer seine Firmenanteile nach und nach an seine Nachfolger veräußert. Hinzu kommt, dass vertrauliche Unterlagen auch vertraulich bleiben. Schließlich verhindern Sie mit einer internen Nachfolgeregelung, dass externe Interessenten, die später möglicherweise doch Abstand vom Kauf nehmen, Einblicke in wichtige strategische Informationen erhalten. Allerdings entscheidet auch beim MBO die Vorbereitung über den Erfolg der Übernahme. Dabei sollten Sie die folgenden Aspekte beachten:

Prüfen Sie die Grundvoraussetzungen

Nicht jeder Interessent bringt automatisch unternehmerische Qualitäten mit. Diese sind jedoch – neben hervorragenden Fachkenntnissen – für einen langfristigen Geschäftserfolg unverzichtbar. Prüfen Sie deshalb, ob Ihr potenzieller Nachfolger folgende Voraussetzungen erfüllt:

  • Denkt und handelt er unternehmerisch?
  • Hat er die erforderlichen Detailkenntnisse über Produkte und Prozesse?
  • Kann er mit strategischen und visionären Ideen andere von seinen Zielen überzeugen?
  • Ist er eine Führungspersönlichkeit und damit in der Lage, sich bei Kunden, Partnern und Angestellten durchzusetzen?
  • Bringt er genügend Kommunikationsfähigkeit und Eigeninitiative mit?
  • Wird er von den Mitarbeitern als neuer Chef akzeptiert?

Schaffen Sie eine realistische Verhandlungsbasis

Viele Alteigentümer legen bei der Bewertung nicht nur reelle, sondern auch ideelle Werte zugrunde und setzen den Kaufpreis deshalb häufig zu hoch an. Das kann jedoch die Finanzierbarkeit des MBO und damit das gesamte Übergabeprojekt gefährden. Umso wichtiger ist es, den Kaufpreis auf Basis einer möglichst realistischen Unternehmensbewertung festzusetzen, die Sie zum Beispiel hier durchführen können, und so die Grundlage für erfolgreiche Verhandlungsgespräche zu schaffen.

Dazu kann auch gehören, dem Management mehr Stimmanteile zu bieten, als ihm aufgrund des Eigenkapitalbeitrags zustehen würde. Eine Earn-out-Klausel im Kaufvertrag, die festlegt, dass ein bestimmter Anteil des Kaufpreises erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgsabhängig bezahlt wird, macht die Entscheidung für die Übernahme ebenfalls leichter.


Eine Earn-out-Klausel im
Kaufvertrag macht die
Entscheidung für die
Übernahme ebenfalls leichter.

Prüfen Sie geeignete Finanzierungsmöglichkeiten

Unabhängig davon, auf welchen Preis sich Alteigentümer und MBO-Kandidat einigen: Am Ende muss gezahlt werden! Und in der Regel reicht das Eigenkapital des oder der Übernehmenden oftmals nicht aus, um den Gesamtpreis zu begleichen. Entsprechend wichtig ist ein solides Finanzierungskonzept, bei dem die folgenden Komponenten zum Einsatz kommen können:

  • Eigenkapital
    Im Schnitt sollte der neue Eigentümer 15 bis 20 Prozent des Kaufpreises aus eigenen Mitteln finanzieren. Ist die Finanzierung der Firmenanteile gesichert, ist in besonderen Fällen auch eine geringere Eigenbeteiligung denkbar. Beispielsweise dann, wenn die persönliche Eigenkapitalausstattung des Übernehmenden bei höheren Kaufpreissummen nicht ausreicht, dafür aber ein hohes Einkommen als selbstständiger Unternehmer zu erwarten ist. Wichtig ist: Der Aufwand aus dem Vermögen und für die Zinsbelastung darf keine existenzgefährdenden Dimensionen für den Nachfolger erreichen.
  • Bankdarlehen
    Der klassische Bankkredit bildet bei vielen MBOs ein unverzichtbares Finanzierungsmittel. Wann, wie und mit welchen Zinsen der Kredit zurückgezahlt werden muss, ist individuell verhandelbar. Darüber hinaus helfen die Banken aber nicht nur bei der Beschaffung der benötigten Fremdmittel, sondern unterstützen beide, den neuen und den abgebenden Unternehmensinhaber, als neutrale Vermittler bereits vor Beginn der eigentlichen Verhandlungen, in der Meinungsbildungsphase sowie beim Abschluss.
  • Förderdarlehen
    Unternehmensgründer werden häufig durch öffentliche Förderdarlehen unterstützt. Das gilt auch für Nachfolger. Einen Überblick über entsprechende Programme des Bundes, der Länder und der Europäischen Union bietet die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.
  • Verkäuferdarlehen
    Wer seinem Nachfolger den Schritt ins Unternehmerleben erleichtern will, kann ihm finanzielle Starthilfe geben. Dies will allerdings gut überlegt sein. Nicht nur, weil Sie als Alteigentümer damit auch weiterhin an das Unternehmen gebunden sind, sondern auch aufgrund drohender Interessenskonflikte.
  • Beteiligungskapital vs. stille Gesellschafter
    Im Falle einer offenen Beteiligung übernehmen sogenannte Private-Equity-Gesellschaften Anteile des Unternehmens und werden somit für einen bestimmten Zeitraum zum Mitgesellschafter, in der Regel für drei bis sieben Jahre. Anschließend veräußern die Finanzinvestoren ihre Beteiligungen, um die erzielte Rendite zu realisieren. Der Vorteil: Neben der finanziellen Unterstützung, die der MBO-Kandidat erhält, profitiert er auch vom Know-how der Beteiligungsgesellschaft. Der Nachteil: Das Mitspracherecht der Investoren schränkt die unternehmerische Handlungsfreiheit des Nachfolgers ein. Das ist bei stillen Gesellschaftern anders. Sie leisten eine Einlage in das Unternehmensvermögen, ohne Anteile daran zu erwerben. Stille Beteiligungen werden rein rechtlich als wirtschaftliches Eigenkapital betrachtet und haben deshalb unter anderem auch einen positiven Einfluss auf das Rating eines Unternehmens. Mögliche Interessenten für beide Beteiligungsformen finden Sie beim Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK).

Wie beim klassischen Verkauf überzeugen sich die Kapitalgeber übrigens auch beim MBO im Rahmen einer sogenannten „Due Diligence“-Prüfung, ob das Unternehmen für eine Buy-out-Transaktion überhaupt geeignet ist. Dabei werden die Risiken geprüft, die in der Unternehmensübergabe schlummern. Dazu werden Stärken und Schwächen des Unternehmens analysiert und spielen in die Preisfindung ein – sämtliche Zahlen sind dafür offenzulegen.

Eine firmeninterne Übernahme sollte daher möglichst gut organisiert werden und eine Vorlaufzeit von mindestens drei Jahre haben. So können Sie rechtzeitig vorfühlen, ob aus Ihrer Sicht geeignete Kandidaten aus Ihrer Unternehmensführung tatsächlich an einer Übernahme interessiert sind. Nicht ganz unwichtig ist dabei die Frage, welchem Finanzierungs- und Innovationsdruck Sie Ihren möglichen Nachfolger aussetzen. Wurden nötige Schritte zur Weiterentwicklung des Unternehmens jahrelang unterlassen, sinkt auch die Bereitschaft möglicher Firmenchefs von morgen, von der abhängigen Beschäftigung in die Selbstständigkeit zu wechseln. Wie groß die Erfolgsaussichten einer Nachfolgeregelung per MBO sind, hängt somit letztlich von den jeweiligen betriebs- und branchenspezifischen Verhältnissen zum Zeitpunkt der Verhandlungen ab.

Hinzu kommt der Persönlichkeitsfaktor der Interessenten und wie stark deren Wunsch ausgeprägt ist, das Ruder selbst in die Hand zu nehmen. Statistisch gesehen nimmt dieser Wunsch jedenfalls eindeutig zu. 2017 gab es im deutschen Mittelstand über 4.400 Übernahmen durch das interne Management unter Beteiligung von Private-Equity-Investoren – fast 1.000 mehr als im Jahr davor. Die Chancen für einen erfolgreichen MBO sind demnach besser als je zuvor.


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