Selbstständig, krank – und jetzt? Mit diesem Notfallplan machen Sie alles richtig. Im Bild: Geschäftsmann sitzt vor seinem Laptop und putzt sich die Nase.

Bildquelle: Roman Samborskyi/shutterstock

Managen

Selbstständig, krank − und jetzt?

Mit diesem Notfallplan machen Sie alles richtig

Lesedauer:
4 Minuten
Erstellungsdatum: 23.04.2018

Nase zu, Husten, Fieber: Schon der Gedanke daran, wegen einer Grippe oder Schlimmerem für mehrere Wochen auszufallen, ist für die meisten Selbstständigen der blanke Horror. Nichts geht mehr, trotzdem müssen die Geschäfte irgendwie weiterlaufen. Nur wie? Mit diesen Tipps sind Sie für den Fall der Fälle vorbereitet.

Machen Sie sich und Ihren Kunden nichts vor: Planen Sie realistisch

Selbstständige sind hart im Nehmen. Ein bisschen krank? Kennen sie nicht. Wenn es im Hals kratzt oder irgendwo zwickt, arbeiten sie im Schnitt etwa doppelt so oft wie Angestellte einfach weiter. Schließlich muss man als Selbstständiger selbst und ständig Geld verdienen. Und was man seinen Kunden versprochen hat, will man auch halten. Wenn aber 12 Stunden Schlaf oder ein arbeitsfreies Wochenende nicht mehr reichen, um wieder auf die Beine zu kommen, bleibt nur noch die Einsicht: Ich bin krank! Dann gilt es, sofort zu handeln.

Prüfen Sie Ihre Ausfallzeit

Machen Sie sich zusammen mit Ihrem Arzt zunächst klar, wie lange Sie außer Gefecht sein werden. Seien Sie dabei so realistisch wie möglich. Nur so können Sie Ihre Ausfallzeit gründlich planen und müssen nicht schon ein paar Tage später alles wieder über den Haufen werfen, weil Sie zu optimistisch waren. Wenn Sie dabei zu dem Ergebnis kommen, dass Sie für acht Tage das Bett hüten müssen, hebt das nicht unbedingt die Laune. Aber es gibt Ihnen die Möglichkeit, alles zu organisieren.

Sorgen Sie für eine geeignete Vertretung

Informieren Sie Ihre Vertretung, oder überlegen Sie, wer bei unaufschiebbaren Terminen und Aufgaben für Sie einspringen kann, wenn die Ersatzfrage noch ungeklärt ist. Rechtsanwälte, Ärzte und andere Freiberufler mit Bürogemeinschaften oder Coworking Spaces finden in der Regel schnell eine geeignete Vertretung. Steuerberater sind sogar dazu verpflichtet, wenn sie länger als einen Monat abwesend sind. Alternativ führen Vertretungsverträge oder Absprachen mit geeigneten Kandidaten aus dem eigenen Netzwerk zur gewünschten Lösung. Bedenken Sie aber, dass Ihr Vertreter nur dann kurzfristig für Sie einspringen kann, wenn Sie alle erforderlichen Informationen zur Hand haben und übergeben können. Bei der Planung von längerfristigen Aufgaben oder Projekten ist es bei Einzelunternehmern grundsätzlich ratsam, von Beginn an einen Kollegen aus dem Netzwerk locker einzubinden, damit dieser im Notfall einspringen kann. Auch ohne Krankheitsfall erhöht solch eine Doppelbesetzung die eigene Flexibilität und stärkt die Marktposition.

Informieren Sie Auftraggeber und Kunden

Checken Sie Ihren Kalender. Welche Termine liegen an, welche Deadlines? Falls möglich, sollten Sie als Einzelkämpfer alle Auftraggeber, Partner und Kunden, die während Ihrer Krankheit mit Ihrer Leistung rechnen, telefonisch informieren oder sie anrufen lassen. Dabei lässt sich besprechen, wie dehnbar eine Deadline ist und ob ein Auftrag verschiebbar ist, den Sie ansonsten absagen müssten. Informieren Sie Ihre Vertretung, wenn sich der ein oder andere Termin als unverrückbar erweist. Ändern Sie anschließend Ihre Mailbox-Ansage, und richten Sie gegebenenfalls für Ihr E-Mail-Konto eine Auto-Reply ein.

Illustration eines Unternehmers mit gebrochenem Bein

Falls nötig: Nutzen Sie externe Büroservices und Interimsmanager

Reichen die bisherigen Maßnahmen nicht aus, weil Anfragen bearbeitet oder Sekretariatsarbeiten und Überweisungen erledigt werden müssen, hilft ein Büroservice. Die externen Dienstleister nehmen telefonische Anfragen entgegen, beantworten E-Mails und kümmern sich auch um dringende Bankgeschäfte, wenn die dazu erforderlichen Vollmachten vorliegen. Für anspruchsvolle Führungsaufgaben bei einem längeren Ausfall bieten sich zudem sogenannte Interimsmanager mit dem erforderlichen Branchen-Know-how an. Mit etwas Glück stehen die Übergangsmanager schon innerhalb von 48 Stunden bereit, um die Geschäfte vor Ort weiterzuführen. Ganz billig ist die Lösung allerdings nicht: Im Durchschnitt kostet ein Interimsmanager etwa 1.000 Euro pro Tag.

Keine Angst vor Behördenbriefen

Wenn Sie einen Mahnbescheid oder andere Briefe bekommen, die besondere Aufmerksamkeit verlangen, nutzen Sie die gesetzlichen Fristen zum Widerspruch. Diese betragen je nach Sachlage zwischen zwei Wochen und einem Monat. Verstreicht bei einem Mahn- oder Vollstreckungsbescheid die Frist von zwei Wochen aufgrund Ihrer Erkrankung, können Sie beim Amtsgericht die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragen, also praktisch wieder alles auf null stellen. Dennoch ist es ratsam, den Geschäftsbriefkasten einmal pro Woche leeren zu lassen. So können Sie bei Bedarf frühzeitig alle nötigen Schritte einleiten, um sich vor unangenehmen Überraschungen und deren Folgen zu schützen.

Illustration eines erkrankten Unternehmers

Sichern Sie Einkommensverluste ab

Auch Selbstständige können Krankengeld bekommen. Dafür stehen mehrere Möglichkeiten zur Auswahl. So zahlen die gesetzlichen Krankenkassen ab dem 43. Tag der Erkrankung 70 Prozent des Gewinns aus selbstständiger Arbeit bei der Wahl eines Tarifs mit Krankengeld – und das bis zu 78 Wochen für ein und dasselbe Leiden. Dieser Tarif ist etwa 0,6 Prozent teurer als der ermäßigte Beitragssatz, bei dem es keinen gesetzlichen Anspruch auf Krankengeld gibt. Konkret heißt das: Wenn Sie einen monatlichen Gewinn von 3.000 Euro haben, kostet Sie der Anspruch auf monatliches Krankengeld in Höhe von 2.100 Euro einen Zusatzbeitrag von nicht einmal 20 Euro monatlich. Der maximale Zusatzbeitrag liegt bei 26,10 Euro. Dafür gibt es im Gegenzug von der Krankenkasse auch den Höchstbetrag für den Versicherten, nämlich 101,50 Euro pro Tag bzw. 3.045 Euro pro Monat, der immer mit 30 Tagen berechnet wird. Sie haben nicht genug Rücklagen, um 42 Tage ohne Krankengeld zu überbrücken? Für diesen Fall bieten die Kassen Wahltarife an, bei denen das Krankengeld beispielsweise schon nach 22 Tagen ausgezahlt wird.

Anders als gesetzliche Krankenkassen zahlen die privaten kein Krankengeld. Allerdings können Sie eine Krankentagegeldversicherung abschließen – übrigens auch zusätzlich zur gesetzlichen Krankenversicherung, etwa um Zahlungslücken zu schließen. Die monatlichen Kosten sind abhängig von Alter, Berufsgruppe, weiteren persönlichen Faktoren und vom Anbieter. Sie beginnen für eine Auszahlung von monatlich 2.100 Euro ab dem 43. Krankheitstag bei rund 50 Euro. Soll der Betrag bereits ab dem 15. Krankheitstag gezahlt werden, sind mindestens rund 100 Euro fällig. Eine Auszahlung vom achten Tag an gibt es ab 190 Euro pro Monat. Im Gegensatz zum Krankengeld wird Krankentagegeld ohne zeitliche Befristung ausgezahlt. Bei längerem Bezug erfolgt in der Regel jedoch eine Prüfung der Arbeitsunfähigkeit, die zum Wegfall des Leistungsbezugs führen kann. Sie erhalten die Leistung so lange, wie Sie zu 100 Prozent arbeitsunfähig sind.

Welche Wahl die richtige ist, muss jeder selbst entscheiden. Dabei sollte Folgendes noch beachtet werden: Das Krankengeld ist steuerfrei, wird aber in den so genannten Progressionsvorbehalt einbezogen, also dem zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet. Zusätzlich sind anteilig Sozialabgaben zu bezahlen. Dafür gibt es bei den gesetzlichen Krankenkassen keine Gesundheitsprüfung. Das versicherte Krankentagegeld wird dagegen netto gezahlt. Dafür verlangen die privaten Krankenkassen eine Gesundheitsprüfung, und es gibt keine Garantie, dass ein Vertrag zustande kommt.

  
    
         
  
  
       

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