Was ist mein Unternehmen wert? In 5 Schritten zum Ergebnis. Im Bild: Zwei ausgestreckte Hände halten ein darüber schwebendes Diagramm mit steigendem Kurs und Immobilien.

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Was ist mein Unternehmen wert?

In 5 Schritten zum Ergebnis

Lesedauer:
3 Minuten
Erstellungsdatum: 19.04.2018

Wer seine Firma ganz oder anteilig verkaufen, übergeben oder vererben möchte, braucht eine realistische Einschätzung des Firmenwerts. Diese 5 Schritte bringen Sie ans Ziel.

Methoden zur Berechnung des Firmenwerts gibt es viele. Rechtlich verbindlich ist aber keine. Nehmen Sie daher am besten das Ertragswertverfahren. Es ist das in Deutschland am häufigsten genutzte und von Banken, Finanzamt und Justiz anerkannte Verfahren. Vor allem bietet es möglichen Nachfolgern, die sich am zukünftigen Ertragspotenzial orientieren, eine gute Entscheidungsgrundlage. Schließlich wollen sie wissen, ob sich die Übernahme rentiert oder ob es besser ist, ihr Geld in andere Kapitalanlagen mit besseren Renditechancen zu stecken. 

Das Ertragswertverfahren geht auf zwei wesentliche Fragen ein: Welche Gewinne können künftig erwirtschaftet werden? Wir groß ist das unternehmerische Risiko? Zu den Antworten gelangen Sie in den folgenden fünf Schritten.

1. Ermitteln Sie Ihre bisherigen Gewinne

Um glaubhaft darlegen zu können, wie viel sich in Zukunft mit Ihrem Unternehmen verdienen lässt, gibt es nur einen Anhaltspunkt, der wirklich verlässlich ist: die Betriebsergebnisse der Vergangenheit, idealerweise der letzten drei Jahre. Ermitteln Sie dazu die Gewinne bzw. Verluste jeweils vor Steuern. Ziehen Sie davon anschließend alle betriebsfremden sowie außerordentlichen Aufwendungen und Erträge ab, auch den Unternehmerlohn. Auf diese Weise kommen Sie hier zu einem bereinigten Ergebnis, das möglichen Nachfolgern den einfachen Vergleich mit anderen Angeboten ermöglicht.

2. Bewerten Sie die Risiken der Betriebsergebnisse

Im nächsten Schritt müssen Sie klären, ob die ermittelten Gewinne bzw. Verluste auch in Zukunft zu erwarten sind oder ob mögliche Chancen und vorhandene Risiken eher andere Ergebnisse wahrscheinlich machen. Für die Prognose der Ertragsentwicklung müssen Sie deshalb auch mögliche Einflussfaktoren auf den zukünftigen Ertrag berücksichtigen. Dazu gehören: 

  • Marktentwicklungen (z. B. zunehmender Preisdruck)
  • Unternehmensführung (z. B. personelle Abhängigkeiten)
  • Kunden- und Lieferantenstruktur (z. B. Breite des Kunden- und Lieferantenstamms)
  • Entwicklung von Materialaufwand und Fremdleistungen
  • Modernisierungs- und Investitionsbedarf

Hier geht es nicht um konkrete Zahlen, sondern um die Bewertung, wie stark sich Faktoren wie Marktposition, Kundenrisiken, Lieferantenrisiken, Personalrisiken ertragsmindernd auswirken können. Der Grund ist, dass die Bewertung letztlich auf subjektiven Einschätzungen beruht, die von späteren Verhandlungspartnern häufig nicht geteilt werden. Dennoch ist diese Risikobewertung besonders wichtig, weil sie einen erheblichen Einfluss auf den Unternehmenswert hat, wie sich weiter unten noch zeigen wird. Bewerten Sie deshalb jeden Risikofaktor bzw. den Investitionsbedarf mit „gering“, „mittel“ oder „groß“, und bilden Sie draus einen Querschnitt, der das unternehmerische Gesamtrisiko aufzeigt. Arbeiten Sie auch hier mit den Abstufungen „gering“, „mittel“ oder „groß".

3. Machen Sie eine Gewinnprognose

Jetzt können Sie die Geschäftszahlen für die kommenden drei bis fünf Jahre planen. Für die ersten drei Jahre sollten Sie Umsatz, Kosten, Ergebnis und Investitionen detailliert ausarbeiten. Seien Sie realistisch, gerade bei den künftig erforderlichen Investitionen.

4. Ermitteln Sie den Kapitalisierungszinssatz

Fast geschafft. Denn jetzt haben Sie alles beisammen, um den Ertragswert zum Stichtag des Unternehmensverkaufs zu berechnen. Dies geschieht mithilfe des sogenannten Kapitalisierungszinssatzes. Er legt den Zinssatz fest, den mögliche Käufer im Vergleich zu alternativen Kapitalanlagen mit vergleichbarem Risiko erwarten können. Der Kapitalisierungszinssatz setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: dem aktuellen Basiszins, der mit risikolosen Anlagen wie Bundesanleihen zu erzielen ist, und einem Zuschlag für das unternehmerische Risiko. Der Basiszinssatz wird jährlich festgesetzt und lässt sich beispielsweise dem Monatsbericht der Bundesbank entnehmen. Beim Risikozuschlag gibt es dagegen größeren Spielraum. Er hängt vom Ergebnis Ihrer Bewertung in Schritt zwei ab und schwankt bei kleinen und mittleren Unternehmen je nach Risikoeinschätzung in der Regel zwischen 5 und 15 Prozent. Dabei gilt: je niedriger der Zinssatz, desto geringer das Risiko und desto größer der Wert Ihres Unternehmens. 

Haben Sie das unternehmerische Gesamtrisiko mit „gering“ bewertet, wählen Sie einen Zinssatz zwischen 5 und 8 Prozent. Bei „mittel“ sollten Sie 8 bis 12 Prozent anpeilen und bei „hoch“ 12 bis 15 Prozent wählen. Versuchen Sie, möglichst objektiv zu bleiben, wenn Sie den Kapitalisierungszinssatz festlegen. Schon kleine Unterschiede haben große Auswirkungen. So ergibt ein Kapitalisierungszinssatz von 8 Prozent einen um 25 Prozent höheren Unternehmenswert als ein Kapitalisierungszinssatz von 10 Prozent.

5. Ermitteln Sie den Unternehmenswert

Jetzt können Sie den Unternehmenswert ganz einfach berechnen, indem Sie den Durchschnitt Ihrer erzielten und prognostizierten Gewinne durch den festgelegten Kapitalisierungszinssatz teilen und mit 100 multiplizieren. 

Wie das aussehen könnte, zeigt die folgende Beispielrechnung:
Betriebsergebnisse der letzten drei Jahre: 19.000 Euro, 23.000 Euro, 22.000 Euro
Ergebnisprognose für drei Folgejahre: 21.000 Euro, 21.000 Euro, 23.000 Euro
Summe der Betriebsergebnisse: 129.000 Euro
Durchschnittliches Betriebsergebnis: 129.000 Euro : 6 = 21.500 Euro

Für zehnjährige Bundesanleihen gibt es derzeit einen Basiszinssatz von 0,27 Prozent. Zusammen mit dem Zuschlag von beispielsweise 5, 12 oder 15 Prozent für das unternehmerische Risiko ergibt sich daraus der Kapitalisierungszinssatz von 5,27 bwz. 12,27 oder 15,27 Prozent. 

Anhand der genannten Berechnungsformel lässt sich jetzt der Ertrags- bzw. Firmenwert mit den drei beispielhaft gewählten Risikoabstufungen ermitteln: 

Mit geringem Risiko: 21.500 Euro : 5,27 * 100 = 407.969,63 Euro
Mit mittlerem Risiko: 21.500 Euro : 12,27 * 100 = 175.224,12 Euro
Mit hohem Risiko: 21.500 Euro : 15,27 * 100 = 140.798,95 Euro

Natürlich bieten sich für den schnellen und einfachen Check des Unternehmenswerts auch Onlinerechner an, die branchenspezifische Besonderheiten berücksichtigen und beispielsweise hier zu finden sind. Haben Sie den Wert berechnet, bringt Sie ein weiterer Klick direkt zur Deutschen Unternehmerbörse, dem Marktplatz für Unternehmensnachfolgen in Kooperation mit dem Handelsblatt. Dort können Sie nach Käufern suchen oder Ihr Unternehmen anbieten.

Fazit: Auch wenn alle Berechnungen stimmen und sorgfältig gearbeitet wurde, kann der ermittelte Firmenwert nur eine grobe Richtschnur sein. Schließlich ist und bleibt unklar, ob Nachfolger oder Käufer die gleichen Gewinne erwirtschaften können wie Sie. Hinzu kommt: Risikobewertungen in Bezug auf die künftige Geschäftsentwicklung sind niemals ganz objektiv und sorgen bei Verhandlungen immer wieder für Diskussionen. In der Praxis müssen Käufer und Verkäufer ihre individuelle Wertunter- und Wertobergrenze festlegen und dann einen Preis finden, der für beide Parteien tragbar ist. Mit dem Ertragswertverfahren können Sie sich eine gute Verhandlungsposition verschaffen. Allerdings erfordert die marktfähige Unternehmensbewertung Sachverstand und Umsicht. Daher sollten Sie sich hierfür immer Unterstützung bei einem Experten holen, etwa bei einem Wirtschaftsprüfer oder Ihrer Bank.

  
    
         
  
  
       

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