Worauf Sie sich einstellen sollten: Was sich 2019 für Selbstständige und Unternehmer ändert

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Worauf Sie sich einstellen sollten

Was sich 2019 für Selbstständige und Unternehmer ändert

Lesedauer:
4 Minuten
Erstellungsdatum: 28.11.2018

Halbierte Krankenkassenbeiträge für Geringverdiener, Registrierungszwang für Versandverpackungen, Anspruch auf Brückenteilzeit – das sind nur drei von einigen wichtigen Neuerungen, auf die es im nächsten Jahr zu achten gilt. Blättern Sie durch unsere Übersicht, die zeigt, worauf Sie sich einstellen müssen und was zu tun ist.

Der Mindestlohn steigt auf 9,19 EUR pro Stunde.
Arbeitgeber unterstützen betriebliche ­Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter.
Verpackungen ohne Registrierung dürfen im gewerblichen Versand nicht mehr verwendet werden.
Mitarbeiter haben einen festen Anspruch auf Teilzeitarbeit – für die Dauer von ein bis fünf Jahren.
Arbeitgeber beteiligen sich wieder zur Hälfte am Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung.
Selbständige mit geringen Einkünften zahlen geringere Mindestbeiträge in die gesetzliche Krankenversicherung.
Midi-Jobber dürfen bis zu 1.300 EUR verdienen und zahlen reduzierte Sozialversicherungsbeiträge.
Mindestlohn steigt um 35 Cent

Die Bundesregierung ist den Empfehlungen der Mindestlohnkommission gefolgt und hat Ende Oktober eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns festgelegt. Er steigt zum 1. Januar 2019 von 8,84 Euro auf 9,19 Euro pro Stunde.  

Ehrenamtlich Tätige und Langzeitarbeitslose sind innerhalb der ersten sechs Monate einer Neubeschäftigung vom Mindestlohn ausgenommen. Kein Anspruch besteht zudem für Auszubildende sowie bei Pflichtpraktika oder Praktika unter drei Monaten.  

Wichtig: Davon abweichende, verbindliche Lohnhöhen dürfen nicht mit dem Hinweis auf den gesetzlichen Mindestlohn gekürzt werden. Alle darüberliegenden Branchenmindestlöhne behalten auch weiterhin ihre Gültigkeit. 

15 Prozent Arbeitgeberzuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV)

Mit seiner Reform der bAV Anfang 2018 hat der Gesetzgeber auch für kleinere Unternehmen positive Anreize zum Aufbau einer Betriebsrente geschaffen. Ab 2019 müssen Arbeitgeber zur Verbesserung der Vorsorge ihrer Arbeitnehmer Geld zur Betriebsrente zuschießen, wenn sie mit ihnen einen Neuvertrag abschließen und durch die Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge einsparen. 

In diesem Fall sind vom Arbeitgeber pauschal 15 Prozent des umgewandelten Entgelts als Zuschuss an den Pensionsfonds, die Pensionskasse oder die Direktversicherung weiterzuleiten. Ab 2022 gilt diese Regelung auch für Altverträge.

Unser Tipp: Da der Abschluss von Neuverträgen für Arbeitgeber auch 2019 weitgehend kostenneutral ist, bleibt die betriebliche Altersvorsorge weiterhin ein wirksames Instrument zur Verbesserung der Chancen im Wettbewerb um Fachkräfte. Für den Aufbau einer Betriebsrente spricht auch, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern seit 2018 eine Direktversicherung oder vergleichbare Vorsorgeleistungen anbieten können, ohne für nicht erzielte Renditen zu haften. Dies gilt allerdings nur im Rahmen des sogenannten Sozialpartnermodells, also dann, wenn Sie als Arbeitgeber einem Tarifvertrag unterliegen, in dem eine entsprechende Regelung getroffen worden ist. In diesem Fall müssen Sie nur noch die vereinbarten Monatsbeiträge zahlen, stehen aber nicht mehr für die Leistungshöhe ein.

Registrierungspflicht für den gewerblichen Versand von Verpackungen 

Hersteller und Händler, die 2019 Produkte in Verkaufs- oder Umverpackungen an Endverbraucher versenden wollen, dürfen dies künftig nur noch, wenn sie bei der Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister registriert sind. Die Vorschrift entstammt dem neuen Verpackungsgesetz (VerpackG), das die Verpackungsverordnung (VerpackV) als geltendes Recht ablöst und für mehr Umweltschutz sorgen soll, indem Verpackungsabfall reduziert und das Recycling gefördert wird. Wer ab 1. Januar 2019 Verpackungen ohne Registrierung in den Verkehr bringt, dem drohen Bußgelder von bis zu 200.000 Euro. 

Die Registrierungspflicht gilt ab der ersten in Umlauf gebrachten Warenverpackung und unabhängig davon, ob der Versender im produzierenden Gewerbe tätig ist, einen eigenen Onlineshop betreibt oder Marktplätze wie Amazon oder Ebay nutzt.  

Wichtig dabei ist, dass neben der Produktverpackung des Herstellers auch Versand-, Transport- und Serviceverpackungen unter das Gesetz fallen. Das heißt: Registrierungspflichtig sind ab Januar 2019 auch Transportverpackungen, die Waren vor Beschädigungen schützen, aber nicht dem Endkunden übergeben werden. Das Gleiche gilt nicht nur für Versandverpackungen, sondern auch für Versandmaterialien wie Klebeband, Füllmaterial oder Luftpolsterumschläge. Hinzu kommen Serviceverpackungen wie Pizzakartons, Tragetaschen, Coffee-to-go-Becher oder Brötchentüten. Diese sind nicht vom Vertreiber am Ort der Abgabe zu registrieren, sondern vom sogenannten Vorvertreiber. 

Unser Tipp: Wer bislang untätig war, sollte möglichst sofort sein gesamtes Verpackungsportfolio sichten und über das Portal der Stiftung Zentrale Stelle Verspackungsregister registrieren. 

Rechtsanspruch auf befristete Teilzeitarbeit 

Vom kommenden Jahr an haben Beschäftigte einen Anspruch auf befristete Teilzeit. Wer länger als sechs Monate in einem Unternehmen arbeitet, kann die Arbeitszeit dann ohne Angabe von Gründen reduzieren. Ein fester Anspruch besteht für einen Zeitraum von ein bis fünf Jahren. Anschließend können die Beschäftigten wieder zur ursprünglichen Arbeitszeit zurückkehren. Anträge für einen kürzeren oder längeren Zeitraum können Arbeitgeber ablehnen. Bislang gibt es lediglich einen Anspruch auf unbegrenzte Teilzeitarbeit.  

Die vom Bundestag beschlossene Regelung lässt mehrere Ausnahmen zu. So gilt das Recht auf Brückenteilzeit nur für Betriebe ab 46 Beschäftigten. Zudem gibt es eine Zumutbarkeitsgrenze für Unternehmen mit 46 bis 200 Arbeitnehmern. Sie müssen pro 15 Mitarbeiter nur einen Anspruch auf befristete Teilzeit gewähren. Außerdem können sie Anträge aus betrieblichen Gründen ablehnen. Hinreichend gewichtig sind die Gründe beim Teilzeitwunsch in der Regel dann, wenn die Verringerung der Arbeitszeit die Organisation, den Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigt oder unverhältnismäßige Kosten verursacht. Eine abschließende und vollständige Aufzählung der Ablehnungsgründe ist im Gesetz nicht enthalten.  

Auch beim Rückkehrrecht nach Beendigung der Teilzeit gibt es Ausnahmen. Kann der Arbeitgeber das Fehlen einer entsprechenden freien Stelle darlegen, darf er die Aufstockung der Arbeitszeit verweigern. Weitere betriebliche Gründe oder die Interessen anderer Teilzeitbeschäftigter können die Rückkehr in Vollzeit ebenfalls verhindern.

Krankenversicherung: Beteiligung der Arbeitgeber am Zusatzbeitrag

Vom nächsten Jahr an zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wieder jeweils die Hälfte der Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse. Bislang teilen sie sich lediglich den allgemeinen Beitragssatz in Höhe von 14,6 Prozent des Bruttogehalts. Den Zusatzbeitrag, der von den Kassen individuell erhoben wird und im Schnitt 1 Prozent vom Bruttolohn ausmacht, zahlen dagegen bislang allein die Versicherten. Ab 1. Januar 2019 tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils zur Hälfte auch den Zusatzbeitrag, den die Krankenkassen erheben, um ihre Leistungen kostendeckend anbieten zu können.

Halbierte Mindestbeiträge für Kleinselbstständige

Selbstständige mit geringen Einkünften können sich 2019 auf geringere Mindestbeiträge für die Krankenkasse freuen, wenn sie gesetzlich versichert sind. Durch diese Absenkung sollen Selbstständige mit geringem Einkommen finanziell entlastet werden. Wer bis zu 1.142 Euro pro Monat verdient, muss ab 2019 nur noch einen Beitrag von rund 171 Euro pro Monat zahlen. Derzeit ist der Mindestbeitrag etwa doppelt so hoch. 

Erleichterung soll es noch an weiterer Stelle geben: So entfällt künftig der Nachweis, ob eine haupt- oder eine nebenberufliche Selbstständigkeit vorliegt.

Midi-Jobber dürfen mehr verdienen

Die Verdienstobergrenzen im Übergangsbereich zwischen einem Minijob und einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung werden ausgeweitet. Ab 1. Juli 2019 dürfen Midi-Jobber zwischen 450 Euro und 1.300 Euro (bisher 850 Euro) verdienen und zahlen dabei reduzierte Sozialversicherungsbeiträge, erwerben aber dennoch die vollen Rentenansprüche  

Unser Tipp: Arbeitgeber zahlen für angestellte Midi-Jobber auch weiterhin ihren Anteil in Höhe des halben Beitragssatzes. Sie müssen die Mitarbeiter regulär bei allen Versicherungsträgern anmelden und künftig beide Arbeitsentgelte an die Rentenversicherung melden, also das erzielte und das beitragspflichtige Entgelt. 

  
    
         
  
  
       

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