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Zweites Standbein in … Polen. Wachstum durch Internationalisierung.

Bildquelle: cybrain/shutterstock

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Zweites Standbein in … Polen

Wachstum durch Internationalisierung

Lesedauer: 4 Minuten | Erstellungsdatum: 09.04.2018

Wachstum durch Internationalisierung: In unserer Artikelserie untersuchen wir verschiedene Länder, die sich für deutsche Unternehmen als Expansionsmarkt für ein zweites Standbein eignen könnten. Den Auftakt macht Polen.

Schon seit Jahren gilt Polen bei deutschen Unternehmern als attraktiver Standort für die Gründung von Zweigniederlassungen oder Tochtergesellschaften. Und dafür gibt es, rein wirtschaftlich betrachtet, bis heute gute Gründe.

Polens Wirtschaftskraft wächst seit Jahren beständig. Zuletzt stieg das Bruttoinlandsprodukt im sechstgrößten EU-Land 2017 um 4,6 Prozent. Im EU-Durchschnitt waren es 1,9 Prozent. Hinzu kommt, dass die polnische Regierung ambitionierte Ziele verfolgt: Bis 2030 soll die Volkswirtschaft weltweit vom 21. auf den elften Platz vorrücken. Dazu wollen die zuständigen Ministerien gezielt Innovationen und die Digitalisierung fördern, die Infrastruktur modernisieren und die Berufsausbildung nach deutschem Vorbild verbessern. Zusätzlich sollen bessere Jobchancen für Mütter die Geburtenrate erhöhen und steigende Einkommen für polnische Familien die Binnenkonjunktur ankurbeln.

Polen in Zahlen

Hier hat das Land im europäischen Vergleich immer noch Luft nach oben. 2015 verdiente eine polnische Familie mit in Vollzeit arbeitenden Eltern rund 15.769 Euro pro Jahr. Im EU-Durchschnitt sind es fast zwei Drittel mehr, nämlich rund 46.670 Euro. Um den Abstand zu verringern, erhöhte die polnische Regierung beispielsweise Anfang 2018 den gesetzlichen Mindestlohn von 2,65 Euro auf 3,25 Euro pro Stunde. 

So teuer ist das Leben in Polen

Nach wie vor eine große Herausforderung bleiben die enormen Gehaltsunterschiede zwischen ländlichen Regionen und Großstädten wie Krakau oder Warschau, deren Einwohner bis zu 82 Prozent mehr Geld zum Einkaufen haben als Bürger auf dem Land. Insgesamt lag die Einzelhandelskaufkraft in Polen 2016 einer GFK-Studie zufolge bei rund 83 Milliarden Euro. Davon flossen rund 43 Prozent in den Bereich Food, 11,1 Prozent in Bekleidung und zwischen 9 und 10 Prozent in Gesundheitsartikel und Baumarktprodukte. Das Schlusslicht sind Luxuswaren wie Uhren und Schmuck, die mit 1,5 Prozent derzeit noch eine untergeordnete Rolle spielen. 

Gute Absatzchancen in vielen Branchen

Für deutsche Unternehmen, die ins Ausland expandieren wollen, sind die polnischen Marktpotenziale und -perspektiven also durchaus aussichtsreich. „Als größter Markt Mittelosteuropas mit der wohl breitesten Branchenspreizung bietet Polen für nahezu alle Sektoren Absatzchancen“, erklärt Michał Woźniak, Director Poland bei Germany Trade and Invest (GTAI). Allerdings hätten dies viele Unternehmen längst erkannt, weshalb der Konkurrenzdruck entsprechend hoch sei. Hinzu kommt, dass Polen ein sehr preissensitiver Markt ist. Bei einfachen Me-too-Produkten und -Services seien laut Woźniak deshalb klar solche Betriebe im Vorteil, die vor Ort in Polen produzieren und die günstige Kostenstruktur für sich nutzen.

Woran es dort dagegen oft noch mangelt, sind technisch komplexere Produkte und Lösungen, etwa im Bereich der Automatisierung und der Digitalisierung. Gute Chancen hätten – bei entsprechendem Marketing – auch „hochqualitative und ausgefallene Konsumgüter“, sagt Woźniak. „Der steigende Wohlstand macht Polen experimentierfreudiger.“  

Wachsender IT-Sektor

Einer Prognose der GTAI zufolge werden in den nächsten Jahren Baustoffe sowie Bau- und Agrarmaschinen besonders gefragt sein. Das gilt auch für IT-Produkte. Gerade öffentliche Auftraggeber investieren laut GTAI wieder sehr intensiv in neue IT-Projekte, sodass die Branche nach einem rückläufigen Jahr 2017 wieder wachsen könnte. „Generell müssen polnische Firmen weiter in IT-Lösungen investieren, um ihren Rückstand in diesem Bereich aufzuholen. Das dynamische Wirtschaftswachstum heizt die Nachfrage zusätzlich an. Die Notwendigkeit zur Bekämpfung der Cyberkriminalität rückt ebenfalls stärker ins Bewusstsein“, so Woźniak. „Solche Digitalisierungsmaßnahmen eröffnen auch ausländischen Anbietern entsprechende Lösungen und Chancen.“ 

 Expertentipp:


Deutsche Firmen, die nach Polen expandieren wollen, vermitteln wir an unser Tochterinstitut, die mBank, eine der führenden Firmenkundenbanken in Polen. In 29 Filialen unterstützen deutschsprachige Teams deutsche Unternehmen beim Aufbau ihrer polnischen Niederlassung im Tagesgeschäft. Zudem helfen unsere German Desks dabei, sich mit polnischen Unternehmen zu vernetzen und sprachliche Barrieren zu überwinden.

Adrian Kilisch
Team Head Sales im Trade Finance & Cash Management Nord/West der Commerzbank

Formelle Hürden beim Markteintritt

Wer als Unternehmen auf dem polnischen Markt Fuß fassen will, muss sich allerdings sehr genau mit den polnischen Regularien auseinandersetzen, warnt Roland Fedorczyk, Direktor Recht und Steuer bei der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer AHK. „Der Markteintritt in Polen erscheint auf den ersten Blick einfach, ist auf den zweiten Blick allerdings durch strenge Regeln geprägt. Eine Missachtung führt dann im besten Fall zur Verzögerung beim Ansiedlungsprojekt. Im schlimmsten Fall sind saftige Geldstrafen fällig.“

Dazu kommt es zum Beispiel häufig dann, wenn Anmeldeformulare zum (Handels-)Registergericht bei der Unternehmensgründung fehlerhaft ausgefüllt werden. Die Anmeldung zum Registergericht wird nicht wie in Deutschland durch den Notar vorgenommen, sondern durch den Antragsteller persönlich oder seinen Bevollmächtigten. „Wird die Anmeldung falsch vorgenommen, kann es manchmal Wochen dauern, bis man eine entsprechende Rückmeldung vom zuständigen Gericht erhält“, erklärt Roland Fedorczyk. „Wurden dann aber durch die – formaljuristisch gesprochen – in Gründung befindliche Gesellschaft Verträge abgeschlossen, kann dies zu unangenehmen und teuren Konsequenzen führen. In dieser Situation wird die polnische Gesellschaft nämlich in der Regel weder über eine Steuernummer noch über eine Handelsregisternummer verfügen.“ 

Während die Anmeldeunterlagen bei Gericht liegen, sollte sich der Unternehmer um das Herzstück seines polnischen Tochterunternehmens kümmern, die Buchhaltung, denn auch hier gibt es laut Roland Fedorczyk Fallstricke: „Das polnische Steuerrecht unterscheidet sich in wesentlichen Teilen vom deutschen und sollte in seiner Komplexität nicht unterschätzt werden. Insbesondere die Betriebsprüfungen durch polnische Finanzämter gestalten sich in der Praxis strenger als ihre deutschen Pendants.“ 

Business mit Handkuss

Von daher sollten deutsche Unternehmer unbedingt polnische Steuerexperten konsultieren. Aber auch ein paar kulturelle Besonderheiten gibt es zu beachten, wenn man den polnischen Markt betritt. „Traditionell agiert das polnische Business spontaner und weniger geordnet als das deutsche. Prozeduren werden nicht ganz so akribisch eingehalten, was allerdings oft zu neuen, vielleicht etwas unkonventionellen Lösungen führt“, erklärt Michał Woźniak von GTAI. „Polen sind an sich sehr offen und trennen nur bedingt Berufliches vom Privaten, weswegen bei Geschäftskontakten auch Zeit für nicht projektrelevante Themen eingeplant werden sollte.“ Zudem würden Polen viel Wert auf höfliche Umgangsformen legen. So sei in Polen der Handkuss durchaus noch en vogue.  


Praxisleitfaden „Internationalisierungsstrategien für Startups und Kleinunternehmen“

Heute kann jeder Unternehmer und Gründer die Potenziale neuer Absatzmärkte mit relativ geringem Aufwand nutzen. Die Digitalisierung und zunehmend grenzüberschreitend vernetzte Infrastrukturen machen das möglich. Dennoch gilt: Was zuhause erfolgreich ist, muss im Ausland noch lange nicht funktionieren. Lesen Sie in unserem Praxisleitfaden, welche Chancen sich Ihnen durch eine Expansion eröffnen, auf welche Schlüsselfaktoren es ankommt, wie Sie die Internationalisierung vorbereiten und wo Sie Unterstützung bekommen.

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