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Wohlhabende Menschen in Deutschland setzen vermehrt auf die Services von  Family Offices.

Bildquelle: Chinnapong/shutterstock

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Wohlhabende Menschen in Deutschland setzen vermehrt auf die Services von
Family Offices

Lesedauer: 3 Minuten | Erstellungsdatum: 17.04.2018

Große Vermögen setzen sich aus zahlreichen Bausteinen zusammen, die spezielles Know-how und sehr viel Aufmerksamkeit erfordern. Wohlhabende Menschen in Deutschland setzen deshalb vermehrt auf Family Offices.

„Deutschland gehört neben den USA, Japan und China zu den Ländern mit den meisten Millionären in der Welt. Laut World Wealth Report 2018 gibt es allein in Deutschland inzwischen über 1,36 Millionen Millionäre – rund 85.000 mehr als im Vorjahr.“

Nur die wenigsten von ihnen haben allerdings die Zeit oder das Wissen, sich selbst um ihre private Vermögenssteuerung und Geldanlage zu kümmern. Stattdessen vertrauen immer mehr Wohlhabende ihr Vermögen einem von mittlerweile rund 1.000 Family Offices in Deutschland an, die sich generationenübergreifend um komplexe Besitztümer kümmern. Viele Family Offices sichten und bewerten Aktien, Anleihen, Immobilien und Firmenbeteiligungen, Ländereien, Kunst- oder Oldtimersammlungen. Sie betreuen familieneigene Stiftungen, bereiten Unternehmensverkäufe und Firmennachfolgen vor. Meist beraten sie auch in Erbschafts-, Steuer- oder Rechtsfragen und setzen ganzheitliche Anlagestrategien um, die auf den persönlichen Bedarf des Kunden und seiner Familie zugeschnitten sind.

Besonders geeignet ist ein Family Office dann, wenn das Vermögen mehreren Familienmitgliedern gehört und gemeinsame Entscheidungen verlangt. Allerdings ist die Zusammenarbeit mit einem Family Office erst dann sinnvoll, wenn das Millionenvermögen zweistellig ist.

Guggenheim als Vorbild

Der Ursprung des Family Office liegt in den USA. Unternehmerfamilien wie Morgan, Dupont oder Guggenheim gründeten dort im 19. Jahrhundert ein eigenes Management für ihre Privatvermögen. „Familien haben seit jeher ihre Vermögenswerte mithilfe von Beratern managen lassen“, erklärt Holger Hoffmann, Direktor Family Office bei der Commerzbank AG. „Der Begriff Family Office ist nach dem Zweiten Weltkrieg zu uns nach Europa gekommen.“ 

Ein eigenes Family Office macht natürlich nur für die Spitzengruppe der vermögenden Familien Sinn. In der Regel vertraut die Zielgruppe der Wohlhabenden ihr Vermögen einem Multi-Family Office an, das für mehrere Mandanten tätig ist. Das Spektrum reicht von zehn bis 50 Mandanten, bei großen Gesellschaften können es aber auch mehrere Hundert sein. Dass es sich auch hier um eine besondere Aufgabe für Finanzexperten handelt, kann Holger Hoffmann nur bestätigen: „Der Job ist natürlich von sehr viel Individualität geprägt. Der Bedarf unserer Mandanten unterscheidet sich in vielen Punkten von dem der meisten anderen Bankkunden. Als Family Officer müssen Sie ganzheitlich denken. Jede Entscheidung, die Sie zu einem Thema treffen, kann viele andere Themen in den umliegenden Asset-Klassen tangieren. Die Beratung ist also komplexer und, weil sie häufig generationenübergreifend erfolgt, auch stärker auf Nachhaltigkeit fokussiert.“

Besonderes Vertrauensverhältnis

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Punkt, den beide Seiten nicht unterschätzen sollten: „Sie treten in eine viel engere Beziehung mit dem Mandanten“, so Hoffmann, „denn wenn Sie sich mit allen Themen des Mandats beschäftigen, kommen Sie natürlich auch mit vielen anderen familiären Themen in Berührung.“ Allerdings würde die Grundlage ohnehin in einer vertrauensvollen Beziehung zum Mandanten liegen, welche die familiären Angelegenheiten einschließt. Gleichzeitig helfe aber natürlich auch die professionelle Distanz. „Wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, kann unser objektiver Blick oft helfen.“

Den Bedarf sieht Hoffmann klar gegeben, schließlich werde es immer schwieriger, komplexe Vermögen professionell zu managen. „Viele Mandanten möchten daher einen neutralen, geschulten und objektiven Blick auf ihre Vermögensentwicklung, um eben auch die Verantwortung für ein großes Vermögen auf mehrere Schultern zu verteilen.“ Selbst für absolute Profis sei es aber eine anspruchsvolle Aufgabe, jederzeit alles im Auge zu behalten.

Vielfältiges Spektrum

Um das große Spektrum der Kundenwünsche erfüllen zu können, muss so gut wie jedes Family Office mit externen Fachleuten arbeiten. Schließlich kann sich nicht jeder Finanzberater gleichermaßen gut mit Geldanlagen, Kunstwerken und der Oldtimersammlung auskennen. Hinzu kommt, dass gerne auch persönliche Leistungen wie Gesundheitsberatung, Reiseplanungen über das Family Office gemanagt werden. Selbst ein Concierge-Service findet sich im Leistungskatalog einiger Anbieter.

Die stetig wachsende Branche teilt sich in unabhängige und in banknahe Family Offices, die als separate Abteilung eines Finanzinstituts agieren. Für beide Varianten gilt aber Neutralität und Objektivität als oberste Maxime: „Wer nicht ganz klar im Sinne seiner Kunden handelt, wird mit dem Family-Office-Geschäftsmodell scheitern“, betont Hoffmann. „Das gilt für private genauso wie für banknahe Family Offices. Wir sind ein enger, vertrauensvoller und objektiver Ansprechpartner, der von oben auf das große Ganze schaut, manchmal auch bei rein familiären Themen.“

 Expertentipp:


Banknahe Family Offices haben gegenüber den unabhängigen den Vorteil, dass sie weniger Finanz-Know-how einkaufen müssen und trotzdem zur Produktneutralität verpflichtet sind. Gerade Fachwissen zu den Themen Regulatorik, Private Equity oder Immobilien ist in den traditionellen Finanzinstituten ohnehin vorhanden. Ein banknahes Family Office kann somit auf eine ganz andere Infrastruktur zurückgreifen. Die Kosten-Nutzen-Rechnung sieht hier also in der Regel besser aus. Letztlich ist das Engagement eines Family Office aber Vertrauenssache. Die Chemie muss einfach stimmen.

Holger Hoffmann
Direktor Family Office, Commerzbank AG


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