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TRENDS

Revolutionäre Geschäftsideen, Teil 1

Chuck Hull oder wie der 3D-Druck unsere Welt verändert

Lesedauer: 2 Minuten | Erstellungsdatum: 20.08.2018

Mit dem Namen Chuck Hull können nur wenige Menschen etwas anfangen. Dabei gehört der US-Physiker zu den größten Erfindern unserer Zeit. Am 8. August 1984 meldete er sein Verfahren für den Druck von dreidimensionalen Objekten zum Patent an. Kurz darauf gründete Hull das Unternehmen 3D Systems, um die ersten 3D-Drucker zu verkaufen – eine Fertigungstechnologie, die unsere Welt genauso radikal verändern könnte wie Computer und Internet.

Wie bei Raumschiff Enterprise: Objekte sind Information

Schon diese zwei Beispiele zeigen, wie viel Potenzial im 3D-Druck steckt, der weit über das Thema Industrie 4.0 hinausgeht und ähnlich disruptive Folgen haben könnte wie die Entwicklung des Personal Computer oder des Internets. Denn die additive Fertigung stellt unsere Vorstellung von Objekten auf den Kopf und denkt Materie radikal neu: als digitale Information, die sich über Datenleitungen beliebig transportieren und mithilfe von Pixeln aus Metall, Keramik, Kunststoff, Zement oder Gewebe auf Knopfdruck materialisieren oder kopieren lässt.  

Die Idee erinnert an das Beamen und den Replikator aus den Star-Trek-Serien. Seit dem Patent von Chuck Hull muss Material nicht mehr transportiert und durch Schmelzen, Gießen, Bohren oder Fräsen bearbeitet werden. Es reicht ein Bauplan, der mit CAD-Software erstellt wird. Den Rest erledigen die Düsen des Druckkopfs und das erforderliche Ausgangsmaterial im Druckertank, das sich additiv, also Schicht für Schicht aufbaut, bis das gewünschte Objekt fertig produziert ist. 

500 Milliarden Euro Marktvolumen – und Revolution der Produktions- und Warenwelt

Inzwischen hält der 1939 geborene Chuck Hull zahllose Patente. 2014 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Europäischen Erfinderpreis und mit der Wahl in die „National Inventors Hall of Fame“ geehrt. Bis heute gehört 3D Systems zu den Weltmarktführern im 3D-Druck – einem Markt, dem die International Data Corporation (IDC) bis 2022 Umsätze von über 6 Milliarden Euro voraussagt. Rechnet man die Verbrauchsmaterialen hinzu, sollen es bis 2024 sogar über 490 Milliarden Euro sein.  

Ob es tatsächlich so kommt, hängt von mehreren Faktoren ab. Denn obwohl viele Experten vom 3D-Druck eine Revolution der Produktions- und Warenwelt erwarten, weiß niemand genau, wie diese Revolution aussehen wird.  

So könnten 3D-Drucker über kurz oder lang klassische Maschinen und Montagebänder komplett ersetzen. Etwa dann, wenn die Technologie zum Beispiel nicht mehr nur die Einzelteile für einen 3D-Drucker drucken kann, sondern das komplette Gerät inklusive der gesamten Elektronik – also voll funktionstüchtig. 

Interessant dürfte die weitere Entwicklung auch für die Logistikbranche werden. Schließlich müssen für den 3D-Druck keine Bauteile mehr transportiert werden, weil die Produkte just in time an dezentralen Fertigungsstätten oder direkt beim Endkunden entstehen. Der kann dazu seinen eigenen 3D-Drucker verwenden, den es im Bausatz derzeit schon für wenige Hundert Euro gibt, oder er nimmt den heruntergeladenen Bauplan mit zu einem stadtnahen 3D-Dienstleister, um dort auf bis zu 12 Meter großen, professionellen Geräten eine komplette Waschmaschine oder den Rahmen für ein neues Motorrad auszudrucken.  

3D-Technologie – deutlich mehr Licht als Schatten

Und damit nicht genug. Denn natürlich kann theoretisch jeder zum Produzenten werden, selbst neue Geschäftsideen entwickeln und seine Designs und Baupläne auf einer der zahlreichen 3D-Tauschbörsen in der sogenannten Maker-Szene anbieten, die seit einigen Jahren entstanden ist und schnell wächst.  

Die 3D-Technologie setzt der Kreativität kaum Grenzen. Dass in manchen Netzen auch illegal Baupläne zum Ausdrucken von schussfähigen Waffen zum Download kursieren, gehört zu den Schattenseiten dieser Technologie.  

Allerdings gibt es deutlich mehr Licht als Schatten. Zum Beispiel 2016 in Frankreich: Dort entstand 800 Meter vom Originalschauplatz entfernt eine 8.500 Quadratmeter große Eins-zu-eins-Kopie der Höhle von Lascaux, um die berühmte „Sixtinische Kapelle der Urzeit“ vor den Schäden durch den gewaltigen Besucherandrang zu schützen. Oder in den USA: Dort unterstützen freiwillige Helfer mit ihren 3D-Druckern die Organisation e-Nable dabei, Menschen in aller Welt mit dringend benötigten Prothesen zu versorgen, die nur einen Bruchteil der handelsüblichen Preise kosten. Allein dafür hätte Chuck Hull eigentlich ein Denkmal verdient. 


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